Salzmann verteidigt Entscheidung des Aufsichtsrats

Der frühere Kaufmännische Direktor der Bregenzer Festspiele zur Situation um Stephanie Gräve.
Bregenz In der Debatte um die Zukunft der Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, Stephanie Gräve, hat sich nun auch das Aufsichtsratsmitglied Franz Salzmann zu Wort gemeldet. Er weist die Darstellung zurück, Gräve sei „gekündigt“ worden. Vielmehr gehe es darum, dass ihr Vertrag nach Ablauf im Jahr 2028 nicht verlängert werde.
Salzmann betont, dass dies nach zehn Jahren an der Spitze des Hauses kein ungewöhnlicher Vorgang sei. „Zehn Jahre sind am Theater eine gute und auch eine lange Zeit“, so der ehemalige Kaufmännische Direktor der Bregenzer Festspiele. Es sei im Kulturbetrieb üblich, nach einer solchen Phase neue Impulse zu suchen. Auch erfolgreiche Intendantinnen und Intendanten seien von Nichtverlängerungen betroffen. Salzmann übt Kritik an der öffentlichen Reaktion auf die Entscheidung. Es sei „höchst selten“, dass eine Nichtverlängerung als „Rausschmiss“ dargestellt und eine Vertragsverlängerung „per öffentlicher Kampagne praktisch eingefordert“ werde.
Zugleich weist Salzmann die Kritik zurück, der Aufsichtsrat habe seine Entscheidung willkürlich getroffen. Das Gremium müsse bei einer Vertragsverlängerung „alle Performance-Aspekte einbeziehen“. Neben der öffentlichen Wahrnehmung – etwa der Besucherentwicklung, dem künstlerischen Profil und der Budgetdisziplin – spiele auch die innere Situation des Hauses eine wichtige Rolle. Diese sei für die Öffentlichkeit oft nicht sichtbar. Salzmann nennt in diesem Zusammenhang beispielsweise Personalmanagement, Produktionsabläufe, Administration und interne Kommunikation.
Auch die Finanzierung des Hauses beurteilt er anders als Gräve. Für ihn ist der „beste Beweis“ für eine ausreichende Ausstattung, dass die Intendantin über Jahre hinweg viele 100.000 Euro an Budgetmitteln nicht verbraucht hat.
Besonders deutlich wird Salzmann bei der Bewertung der innerbetrieblichen Lage. Der Aufsichtsrat trage nicht nur Verantwortung für das Publikum, sondern auch „für die Belegschaft, das Betriebsklima und die Qualität der innerbetrieblichen Abläufe“. In diesen Bereichen gebe es aus seiner Sicht „Defizite, über die man nicht hinwegsehen kann“.
Mit Blick auf die aufgeheizte Diskussion warnt er vor weiteren Eskalationen. „Die Kampagne hat niemandem geholfen, am allerwenigsten der Intendantin selbst“. Trotz aller Differenzen hofft er nun auf eine Beruhigung der Lage. Er wünsche sich, „dass sich die Wogen glätten“ und alle Beteiligten „die nächsten zwei Jahre konstruktiv für das Theater weiterarbeiten“.
Die Intendanten der Bühne Baden, des Tiroler Landestheaters, der Oper Graz, des Salzburger Landestheaters, des Landestheaters Niederösterreich, des Landestheaters Linz, des Stadttheaters Klagenfurt und des Schauspielhauses Graz reagieren mit Bedauern auf die Nichtverlängerung des Vertrags. Ohne die Entscheidung des Aufsichtsrats inhaltlich zu bewerten, üben sie deutliche Kritik an der Art der Kommunikation. Sie zeigen sich besonders irritiert darüber, dass interne Bewertungskriterien öffentlich gemacht wurden. Personalangelegenheiten müssten vertraulich behandelt werden, ein respektvoller Umgang sei unerlässlich. Zugleich würdigen sie Gräves Arbeit, durch die das Haus erfolgreich weiterentwickelt und seine Position in der österreichischen Theaterlandschaft gestärkt wurde.