“Kurzsichtig und realitätsfremd”

Kultur / 24.03.2026 • 11:18 Uhr
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Egger: “Strukturen, die über 30 Jahre gewachsen sind, unter dem Titel Sparmaßnahmen aufzulösen, ist kurzsichtig und realitätsfremd.” Patricia Keckeis

Stadt zieht strukturelle Unterstützung zurück: Verein Ausstellungsprojekte Johanniterkirche stellt Betrieb ein.

Feldkirch Es gibt Entscheidungen, die auf dem Papier nach nüchternem Verwaltungshandeln aussehen und deren Tragweite erst sichtbar wird, wenn man nachrechnet, was verloren geht. Die Johanniterkirche Feldkirch ist seit 1995 ein Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst. Über drei Jahrzehnte lang hat dieser ungewöhnliche Raum, in dem sakrale Architektur und Gegenwartskunst eine eigentümliche Spannung erzeugen, Installationen und Arbeiten von regionalen wie internationalen Künstlerinnen und Künstlern beherbergt. 2010 gründete Kurator Arno Egger eigens einen Verein, um die Aktivitäten zu strukturieren und verstetigen. Dieser Verein wird Ende 2026 seine Tätigkeit einstellen.

"Kurzsichtig und realitätsfremd"
Mirjam Mayer

Die Stadt Feldkirch hat bisher fünf Kulturvereine durch ihr Kulturreferat mit administrativen Leistungen unterstützt, darunter Büroinfrastruktur und Personal für die Aufsicht. Künftig sollen sich die betroffenen Vereine diese Infrastruktur selbst organisieren, die Stadt beschränkt sich auf finanzielle Förderung. Für die Johanniterkirche bedeutet das konkret den Verlust der angestellten Aufsichtspersonen sowie der Bürounterstützung. Für einen kleinen Verein mit knappen Ressourcen ist das nicht zu kompensieren.

Bedeutende Kulturarbeit

Kurator Arno Egger lässt in seiner Einschätzung keine Zweideutigkeit: “Budgetkürzungen hinzunehmen ist die eine Sache, aber Strukturen, die über 30 Jahre gewachsen sind unter dem Titel Sparmaßnahmen aufzulösen, ist kurzsichtig und realitätsfremd”. Der Vorwurf sitzt. “Der Aufwand und die Organisation für Personal und Verwaltung würden in der neuen Situation unsere Möglichkeiten als kleiner Verein übersteigen. Der weitere Betrieb ist daher nicht mehr zu bewältigen”, so Egger weiter.

"Kurzsichtig und realitätsfremd"
VN

Die Verbindung aus dem sakralen Ambiente des mittelalterlichen Kirchenbaus und der Offenheit für raumgreifende Installationen schuf Möglichkeiten, die andernorts schlicht nicht vorhanden sind. Egger betont, dass man trotz stets knapper Mittel bedeutende Kulturarbeit geleistet habe. “Auch die Besucherzahlen sprechen für den Zauber dieses einzigartigen Kunstraumes.“ Im laufenden Jahr wird der Verein noch zwei Ausstellungen realisieren. Derzeit ist eine Glasskulptur von Michael Hirschbichler zu sehen, ab Juni folgt eine Installation von Mathias Kessler. Danach endet das Programm.