Rau, kantig, großartig: Salzburgs neuer „Ring” beginnt

Kultur / 29.03.2026 • 11:27 Uhr
Rau, kantig, großartig: Salzburgs neuer „Ring" beginnt
Die Salzburger Osterfestspiele eröffnen „Ring”-Zyklus mit einem bewusst unbequemen „Rheingold”. apa/barbara gindl

Serebrennikov und Petrenko setzen mit „Rheingold” ein Zeichen zwischen Urgewalt und Kammermusik.

Salzburg Mit Richard Wagners „Rheingold” haben die Osterfestspiele ihre Opernpremiere präsentiert und zugleich den Auftakt zu einem groß angelegten „Ring”-Projekt gesetzt, das in den kommenden Jahren fortgeführt werden soll. Regisseur Kirill Serebrennikov entwirft eine konsequent gedachte, in sich geschlossene Deutung, die bewusst auf Gefälligkeit verzichtet und stattdessen auf kantige Klarheit setzt.

Er verortet die Handlung in einer düsteren, archaischen Welt zwischen vulkanischer Urlandschaft und postapokalyptischer Fantasie. Die Nibelungen erscheinen als rohe, erdverschmierte Gestalten, während die Götter in sterilem Weiß auftreten und die Riesen als animalische Urwesen. Die Bühne ist von erkalteten Lavaströmen geprägt. Darüber schweben bewegliche Projektionsflächen, die das Geschehen erweitern, ohne es zu überfrachten. Serebrennikov setzt nicht auf Effekte, sondern auf Reduktion und strukturelle Klarheit.

Auch musikalisch folgt der Abend diesem Ansatz. Das Ensemble präsentiert sich geschlossen und textorientiert. Christian Gerhaher gestaltet den Wotan mit bemerkenswerter Verständlichkeit, wenngleich seine Interpretation zwischen Präzision und stimmlichen Herausforderungen schwankt. Brenton Ryan überzeugt als Loge mit diabolischer Präsenz, Leigh Melrose gibt einen beweglichen Alberich und Jasmin White setzt als Erda klare Akzente.

Kirill Petrenko

Den eigentlichen Maßstab setzt jedoch das Orchester: Die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Kirill Petrenko prägen den Abend mit einer außergewöhnlich transparenten und zurückgenommenen Interpretation. Ihre Interpretation wirkt stellenweise kammermusikalisch, bleibt dabei jedoch jederzeit spannungsvoll und differenziert. Petrenko stellt die Verständlichkeit des Gesangs konsequent in den Mittelpunkt und lässt das Orchester nur punktuell eruptiv aufbrechen.

So entsteht ein „Rheingold“, das weniger durch spektakuläre Effekte als durch Stringenz, klangliche Feinheit und interpretatorische Geschlossenheit überzeugt. Gleichzeitig deutet der Abend über sich hinaus: Er macht neugierig auf die Fortsetzung des Zyklus und spiegelt – nicht zuletzt im Hintergrund der Festspiele – einen andauernden Machtkampf, der Salzburg derzeit auf und abseits der Bühne prägt.