Ein Licht, das den Weg weist

Andreas Marte
Broschüre über Gerhard Winklers Meditationsweg „Meerstern ich dich grüße“ in Gwiggen.
Hohenweiler Im wunderschönen Umfeld des Klosters Mariastern Gwiggen in Hohenweiler eröffnet sich mit dem Meditationsweg „Meerstern ich dich grüße“ ein Ort, der nicht nur als künstlerische Installation, sondern als bewusst gestalteter Erfahrungsraum zu verstehen ist, in dem sich Bewegung und Besinnung auf besondere Weise verbinden.

Sechs schlichte, zugleich eindrucksvoll gesetzte Stelen strukturieren diesen Weg, der den Besucher Schritt für Schritt aus der äußeren Wahrnehmung in eine innere Sammlung führt und dabei eine stille, aber nachhaltige Wirkung entfaltet.

Ausgangspunkt bildet die Predigt des heiligen Bernhard von Clairvaux, der den Namen Maria als „Stern des Meeres“ deutet und damit ein Bild entwirft, das bis heute nichts von seiner Gültigkeit verloren hat. In einer Welt, die von Unsicherheit, Beschleunigung und ständiger Veränderung geprägt ist, erscheint dieser Stern als Orientierungspunkt, als leises Versprechen von Halt und Richtung. Winklers künstlerische Umsetzung greift diese Gedanken auf, ohne sie zu illustrieren, sondern indem sie ihnen eine eigene, zeitgenössische Form gibt.

Die vergoldeten Hinterglasmalereien des renommierten Dornbirner Künstlers Gerhard Winkler verleihen den Stelen ihre eigentliche Strahlkraft, indem sie das wechselnde Licht nicht nur aufnehmen, sondern in ein feines Spiel aus Reflexion und Veränderung übersetzen, das sich mit jedem Schritt des Betrachters neu entfaltet und so ein lebendiges Spannungsverhältnis zwischen Werk und Wahrnehmung entstehen lässt. Der Weg verwandelt sich dadurch in einen stillen Dialog zwischen Bild, Raum und Betrachtendem, in dem sich Bedeutung nicht festlegt, sondern in fortwährender Bewegung bleibt und sich immer wieder neu erschließt.

So ist ein Ort entstanden, der sich der Stille verpflichtet weiß und zugleich zur Sammlung und inneren Klärung einlädt. Begleitet wird dieses künstlerische Gefüge von einer neu herausgegebenen Broschüre, die den mittelalterlichen Text Bernhards behutsam in die Gegenwart überträgt und ihn mit den Fragen einer von Unruhe und Orientierungssuche geprägten Zeit in Beziehung setzt. Ohne belehrenden Ton öffnet sie einen Denkraum, der zur Verlangsamung ermutigt und dazu einlädt, die eigene Position zwischen Zweifel, Hoffnung und dem Bedürfnis nach Halt neu zu befragen.
