Außergewöhnliche Klangbegegnung bei Dornbirn Klassik

Konzertabend mit dem Brodsky Quartet und dem australische Didgeridoo-Virtuose William Barton.
Dornbirn Wenn sich am Freitag, 10. April, um 19.30 Uhr im Kulturhaus Dornbirn das Brodsky Quartet und der australische Didgeridoo-Virtuose William Barton erstmals gemeinsam dem Publikum präsentieren, entsteht ein musikalischer Raum, in dem sich Traditionen nicht gegenüberstehen, sondern ineinander übergehen und sich gegenseitig in ihrer Ausdruckskraft verstärken. Bereits um 19 Uhr führt Bettina Barnay-Walser in das Programm ein und öffnet damit den gedanklichen Horizont für einen Abend, der weit über ein gewöhnliches Konzert hinausweist.

William Barton, geboren um 1980 in Queensland und Angehöriger des Kalkadunga-Volkes, zählt zu jenen Künstlern, deren Arbeit sich nicht in Kategorien einordnen lässt, weil sie genau diese Kategorien in Frage stellt. Das Didgeridoo, eines der ältesten Instrumente der Welt, bildet dabei den Ausgangspunkt seines Schaffens, doch Barton begnügt sich nicht mit der Bewahrung überlieferter Spielweisen, sondern erweitert deren Möglichkeiten durch Komposition, Gesang und die Einbindung in orchestrale Zusammenhänge. Seine Musik erzählt von Landschaft, von Herkunft und von einer kulturellen Identität, die nicht statisch ist, sondern sich in der Bewegung zwischen Vergangenheit und Gegenwart immer wieder neu formiert.
Zeitgenössische Komponisten
Dem gegenüber steht mit dem Brodsky Quartet ein Ensemble, das seit seiner Gründung im Jahr 1972 in Großbritannien die Tradition des Streichquartetts mit einer bemerkenswerten Offenheit für neue Impulse verbindet. Benannt nach dem Geiger Adolf Brodsky, dessen Name für eine historisch gewachsene europäische Musiktradition steht, hat sich das Quartett im Laufe der Jahrzehnte einen unverwechselbaren Klang erarbeitet, der Präzision und Ausdruck, Struktur und Freiheit miteinander verbindet. Gerade in der Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten hat das Ensemble immer wieder gezeigt, dass das Streichquartett kein abgeschlossenes System ist, sondern eine Form, die sich ständig weiterentwickelt.
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In Dornbirn trifft diese Haltung auf Bartons künstlerische Praxis, wodurch ein Dialog entsteht, der nicht auf Gegensätzen beruht, sondern auf dem gemeinsamen Interesse an Erweiterung. Das Didgeridoo tritt dabei als gleichwertige Stimme innerhalb eines komplexen musikalischen Gefüges auf. Die entstehenden Klangräume sind geprägt von Überlagerungen, von Resonanzen und von Momenten, in denen sich unterschiedliche musikalische Sprachen zu einer neuen Einheit verbinden.
Das Programm folgt dabei keinem linearen Konzept, sondern entfaltet sich als vielschichtiger Spannungsbogen. Werke wie Bartons „Brief Soundscape“ oder „Square Circles. Beneath the Red Desert Sand“ führen in Klanglandschaften, die von der Weite Australiens geprägt sind, während Henry Purcells „Fantasia Nr. 5 in d-Moll“ eine barocke Formstrenge ins Spiel bringt, die dennoch Raum für Innigkeit lässt. Peter Sculthorpes elftes Streichquartett und Robert Davidsons „Minjerribah“ greifen Motive von Natur und Erinnerung auf, während Leoš Janáčeks „Kreutzersonate“ existenzielle Konflikte in eine dichte musikalische Sprache überführt.
Zeitenthobene Atmosphäre
Mit Igor Strawinskys Miniatur aus den „Drei Stücken“, Andrew Fords „Eden Ablaze“ und Salina Fishers „Tōrino“ öffnet sich das Programm weiter in Richtung Gegenwart, bevor das irische Volkslied „She moved through the fair“ den Abend in eine schlichte, fast zeitenthobene Atmosphäre führt.
So entsteht ein Konzert, das ein Geflecht aus Bezügen schafft, in dem sich kulturelle Erfahrungen, historische Perspektiven und individuelle Ausdrucksformen miteinander verbinden und in einem gemeinsamen Klangraum erfahrbar werden.