Klangpracht, Spannung, Begeisterung

Das SOV zeigte sich in Bestform und setzte mit Garayev, Tsintsadze und Strawinsky ein starkes Zeichen.
Bregenz Das Symphonieorchester Vorarlberg bewies am Sonntagabend im Festspielhaus Bregenz, wie eindrucksvoll es ein klug gebautes Programm mit künstlerischer Entschlossenheit, orchestraler Feinabstimmung und packender Präsenz zum Leuchten bringen kann. Konzert 6 geriet zu einem großen Wurf, zu einem Abend also, an dem einfach alles zusammenfand: eine inspirierte Werkauswahl, ein glänzend disponiertes Orchester, ein Dirigent von bemerkenswerter Souveränität und mit Maximilian Hornung ein Solist, der dem Konzertzentrum Glanz, Haltung und Ausdruck verlieh.

Schon mit der Suite aus Gara Garayevs Ballett „Die sieben Schönheiten“ setzte das SOV ein starkes Zeichen. Diese Musik, die orientalische Farbigkeit mit straffer Form und feinem Gespür für Atmosphäre verbindet, wurde mit Sinn für ihre erzählerische Kraft ausgebreitet. Die Holzbläser zeichneten ihre Linien mit Eleganz, die Streicher gaben den melodischen Bögen Geschmeidigkeit und Wärme, und das Schlagwerk setzte markante Akzente, ohne je vordergründig zu wirken. Uryupin gelang es, diese Partitur nicht bloß effektvoll aufzufächern, sondern ihre innere Spannung offenzulegen. So entstand vom ersten Ton an der Eindruck eines hochkonzentrierten Orchesters, das mit hörbarer Lust musizierte.
Ausdruck und Spannung
Im Zentrum des Abends stand die österreichische Uraufführung von Sulkhan Tsintsadzes zweitem Cellokonzert „In fünf Episoden”, ein Werk, das im Konzertalltag selten zu hören ist und gerade deshalb eine umso reizvollere Entdeckung bot. Maximilian Hornung erwies sich dabei als idealer Anwalt dieser Musik. Er spielte mit noblem Ton, großer Klarheit und jener Selbstverständlichkeit, die technische Meisterschaft in den Dienst der Gestaltung stellt. Wie Hornung die kantablen Linien singen ließ, wie er rhythmisch zugespitzte Passagen mit Präzision und Nachdruck formte und wie selbstverständlich er die wechselnden Zustände dieser Partitur zusammenhielt, das war großartig. Sein Spiel besaß Ausdruck und Spannung, zugleich aber auch jene kluge Balance, die das Werk atmen lässt. Das Orchester war ihm dabei ein aufmerksamer, wacher Partner, reagierte fein auf seine Impulse und entwickelte mit ihm einen lebendigen musikalischen Dialog.

Dass dieser Abend schließlich mit Strawinskys „Feuervogel“-Suite in der Fassung von 1945 seinen triumphalen Abschluss fand, war dramaturgisch ebenso schlüssig wie wirkungsvoll. Hier konnte das SOV noch einmal seine ganze Klasse zeigen. Valentin Uryupin dirigierte das Werk auswendig, was seiner Interpretation zusätzliche Freiheit und Geschlossenheit verlieh. Er führte das Orchester mit klaren Zeichen, mit Übersicht und einem feinen Gespür für Übergänge durch diese Partitur, die vom Flirren, Glühen, Drängen und Aufbrechen lebt. Der „Höllentanz“ besaß Schärfe und rhythmischen Zug, die „Berceuse“ wurde mit schöner Ruhe und kontrollierter Spannung gestaltet, und das Finale entfaltete jene mitreißende Steigerung, die im Saal eine fast körperlich spürbare Wirkung erzeugte.
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Dieser Sonntagabend war ein musikalisches Feuerwerk, getragen von einem bestens aufgelegten Symphonieorchester Vorarlberg, einem hervorragenden Dirigenten und einem großartigen Solisten.
Ausblick auf die neue Saison
Traditionell nutzte das Team des SOV den Tag nach dem letzten Konzert, um einen Ausblick auf die kommende Saison zu geben. Zum Auftakt Ende September stehen Mozart, Herbert Willi und Schubert auf dem Programm, gefolgt von einem Oktoberkonzert mit Werken von Schreker, Kabalewski, Haydn und Zemlinsky; im November treffen Schumanns Cellokonzert und Dvořáks „Aus der Neuen Welt“ aufeinander, bevor im Januar Borodin, Walton und Rachmaninow erklingen; im März spannt sich der Bogen von Wagner über Strauss und Mendelssohn bis zu Mozart, ehe die Saison im Mai mit Beethovens Tripelkonzert und Brahms’ erster Symphonie ihren Abschluss findet.