Bilder aus der Tiefe des Bodensees

Die Ausstellung von Drago Persic widmet sich Ruhe, Farbe und verlangsamter Wahrnehmung.
Bregenz Drago Persic präsentiert im Bildraum Bodensee in Bregenz seine neue Ausstellung „Tiefer Schweb“. Die Eröffnung findet am Samstag, dem 18. April, um 16 Uhr statt. Die Ausstellung ist vom 21. April bis zum 12. Juni 2026 zu sehen.
Mit dem Titel nimmt der Künstler Bezug auf die tiefste Zone des Bodensees, auf jene Schicht also, in der die sichtbare Bewegung der Oberfläche einer stillen, kühlen Ruhe weicht. Aus diesem Bild entwickelt Persic eine Malerei, die auf Verdichtung, Konzentration und verlangsamte Wahrnehmung setzt.

Im Zentrum der Ausstellung stehen Ölgemälde, die durch ihre technische Präzision und ihre erzählerische Anlage auffallen. Persic verbindet szenische Darstellungen von großer Intensität mit Porträts, die eine ruhige, konzentrierte Ausstrahlung besitzen. So treffen Bilder brennender Flöße und sinkender Boote auf Darstellungen von Figuren, deren Präsenz von stiller Sammlung geprägt ist. Gerade aus dieser Gegenüberstellung entsteht eine Spannung, die nicht auf vordergründige Effekte abzielt, sie entwickelt sich aus der Ruhe der Bildkomposition. Die Werke entfalten ihre Wirkung nicht auf den ersten Blick, sondern bei einer langsamen Annäherung.
Plastische Wirkung
Ein zentrales Motiv der Ausstellung sind Draperien, die in Persics Arbeiten immer wieder auftauchen. Vor allem der changierende Glanz von Stoffen, insbesondere von Seide, wird dabei mit großer Genauigkeit erfasst. Die weich fallenden Vorhänge verleihen den Bildern eine plastische Wirkung und lassen die Grenze zwischen Fläche und Raum durchlässig erscheinen. Dadurch gewinnen die Leinwände an räumlicher Qualität und überschreiten ihre Zweidimensionalität.

Die altmeisterlich anmutende Präzision von Persics Malerei gründet nicht allein auf handwerklichem Können. Sie ist ebenso Ausdruck einer intensiven Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Farbe. In mehreren Werkzyklen – darunter „Ultramarin“, „Siva Boja“ und „Bergotte“ – hat sich der Künstler systematisch mit Pigmenten, Nuancen und Farbbeziehungen beschäftigt. Dabei untersucht er, wie vielschichtig Farbe wirken kann und welchen Einfluss differenzierte Übergänge und Mischungen auf die Wahrnehmung eines Bildes haben. Selbst Arbeiten, die auf den ersten Blick wie Schwarz-Weiß-Darstellungen erscheinen, beruhen auf komplexen farblichen Abstimmungen.

Persics Malerei lässt sich somit auch als bewusste Gegenposition zur digitalen Bilderflut lesen. Anstelle schneller Reize setzt er auf einen langsamen, präzisen Arbeitsprozess und fordert dazu auf, genauer hinzusehen. Licht, Stofflichkeit und Farbe werden dabei nicht nur dargestellt, sondern auch in ihrer Wirkung erfahrbar gemacht. Gerade darin liegt die besondere Qualität dieser Ausstellung.

Drago Persic wurde 1981 in Banja Luka (Bosnien und Herzegowina) geboren, wuchs in Schwarzenberg und Dornbirn auf und lebt und arbeitet heute in Wien. 2019 wurde er mit dem Vorarlberger Kulturpreis ausgezeichnet.