Unter freiem Himmel gesehen

VN/Beate Rhomberg
Roland Haas und die Kunst, die Welt im Gehen, Sehen und Malen festzuhalten.
Batschuns Mit einer Ausstellung, die in dieser Dichte und Konzentration erstmals einen breiten Überblick über das Schaffen von Roland Haas ermöglicht, widmet das Bildungshaus Batschuns dem Vorarlberger Künstler eine ebenso eindrucksvolle wie verdiente Schau.

Unter dem Titel „Weltblicke in Aquarell“ sind bis September 180 Arbeiten zu sehen, ausgewählt aus fünf Jahrzehnten und aus ganz unterschiedlichen Werkphasen, Landschaften und Reisezusammenhängen. Damit wird ein künstlerisches Lebenswerk sichtbar, das weit über die Grenzen des Ateliers hinausweist und in seiner Beharrlichkeit, Genauigkeit und Offenheit eine außergewöhnliche Kontinuität erkennen lässt.

Roland Haas, 1958 in Bludenz geboren und seit vielen Jahren in Schruns lebend, zählt zu jenen Künstlerpersönlichkeiten, deren Wirken sich über Jahre hinweg in die kulturelle Landschaft einschreibt. Seine Arbeit ist eng mit Natur, Raum und Bewegung verbunden, doch geht es ihm nie um bloße Abbildung. Vielmehr verdichtet er Wahrnehmung, Erinnerung und zeichnerische Setzung zu einer Bildsprache, die von Klarheit und Konzentration lebt. Linien, Flächen und Strukturen erscheinen in seinen Aquarellen mit großer Selbstverständlichkeit, zugleich aber auch mit jener inneren Genauigkeit, die aus dem unmittelbaren Erleben heraus entwickelt wird.

Dass Roland Haas innerhalb der regionalen Kunstszene eine so bedeutende Rolle spielt, hängt nicht allein mit seinem eigenen Werk zusammen. Über viele Jahre hinweg hat er auch Strukturen mitgetragen und mitgestaltet, die Kunst in der Region sichtbar und zugänglich machen. Besonders eng ist sein Name mit dem Kunstforum Montafon verbunden, wo er auch als Impulsgeber und Mitgestalter wirkt. Auch die SilvrettAteliers tragen seine Handschrift entscheidend mit.

Die Ausstellung in Batschuns legt den Fokus nun ganz auf das Aquarell, jenes Medium, das Haas über Jahrzehnte hinweg auf Reisen, in Gebirgslandschaften und an entlegenen Orten begleitet hat. Für den Künstler selbst besitzt diese Präsentation besondere Bedeutung, „denn es wurden noch nie so viele Werke von mir ausgestellt: ein Überblick über 45 Jahre Aquarellkunst so komprimiert an einem Ort! Das Aquarellieren vor Ort – Plein Air – ist ideal, um Eindrücke direkt umzusetzen: das Gesehene/Erlebte mit allen Sinnen aufnehmen und über den Arm, die Hand und den Pinsel spontan aufs Papier zu bringen. Die Aquarelltechnik eignet sich hervorragend fürs Arbeiten im Freien, da es mit wenig Materialaufwand und in recht kurzer Zeit funktioniert. So konnte ich bis in Höhen von über 5.000 Metern noch malen – eine besondere Herausforderung! Besonders berührt haben mich die einsamen, entlegenen Orte, an denen ich alleine unterwegs, sei es in der südtunesischen Wüste, in Patagonien oder in Spitzbergen. Aber auch im Montafon, wenn ich irgendwo im Hochgebirge mit Schlafsack und Zelt gewandert bin“.

Gerade dieser Gedanke des unmittelbaren Arbeitens unter freiem Himmel ist in den ausgestellten Werken spürbar. Sie verbindet eine klare, sichere Handschrift mit großer atmosphärischer Dichte und einem feinen Gespür für Naturphänomene. Flüchtige Schneeschauer, karge Gebirgsräume, gleißende Wüstenlandschaften oder die Weite polarer Regionen werden nicht illustrativ festgehalten, sondern in eine konzentrierte, eigenständige Form übersetzt.

Die Ausstellung im Bildungshaus Batschuns verfolgt einen Anspruch, der über das reine Zeigen von Kunst hinausgeht. Sie lädt dazu ein, innezuhalten, den Blick zu schärfen und Landschaft nicht nur als Umgebung, sondern als Erfahrungsraum neu zu erleben. Auf diese Weise wird die Ausstellung zu einer Einladung, die Welt mit größerer Aufmerksamkeit zu betrachten.