Ein Spa Resort der anderen Art

Kultur / 23.04.2026 • 14:18 Uhr
Bild 1 - Schmidt Kristina - Installative Anordnung unterschiedlicher Pappmache-Figuren auf klassischen Säulenpodesten©Barbara_Hartmann_C0A0756.jpg
Kristina Schmidt verwandelt die Kunstraum Remise in ein spielerisches Labor zwischen Kunstgeschichte, Selbstbild und Pappmaché. Barbara Hartmann

In Bludenz dekonstruiert Kristina Schmidt mit Witz und Widerhaken die Mythen des Kunstbetriebs.

Bludenz Mit der Ausstellung „Spa Resort Schmidt” setzt der Kunstraum Remise in Bludenz seine Reihe pointierter, zeitgenössischer Positionen fort. Diesmal widmet er sich der 1982 in Deutschland geborenen Multimediakünstlerin Kristina Schmidt, deren Arbeiten sich mit scharfem Witz und klarem Blick an den Schnittstellen von Kunstbetrieb, Selbstbild und gesellschaftlicher Prägung bewegen. Die Eröffnung ist am 30. April, die Ausstellung dauert bis zum 7. Juni.

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María Constanza Meléndez

Kuratiert von Christine Lederer entfaltet sich im Remise-Raum ein vielschichtiges Setting, das bewusst zwischen klassischer Kunstpraxis und niederschwelligen, beinahe spielerischen Anordnungen oszilliert. Schmidt kombiniert traditionelle Techniken wie die Ölmalerei auf sorgfältig präparierten Leinwänden mit Elementen der Do-it-yourself-Kultur, verwendet Pappmaché oder integriert Anspielungen aus der Welt der Videospiele. So entstehen Arbeiten, die sich dem Publikum nicht verschließen, sondern mit ihm in einen offenen, dialogischen Austausch treten.

„Schmidti City“

Der an ein alpines Ferienversprechen erinnernde Titel der Ausstellung erweist sich dabei als ironische Setzung. „Spa Resort Schmidt“ verweist weniger auf inhaltliche Motive als auf den Kontrast zwischen urbaner Herkunft und kleinstädtischer Idylle, die in die Landschaft rund um Bludenz eingebettet ist. Zugleich knüpft Schmidt damit an frühere Präsentationen wie „Schmidti City“ in München an und setzt ihre eigene künstlerische Selbstinszenierung fort.

Bild 3 - Kristina Schmidt - Smile_if_you_can, 2022, Foto Schmidt.jpg
Kristina Schmidt

Im Zentrum der Ausstellung stehen Gemälde, die formal an kunsthistorische Traditionen anschließen, diese jedoch zugleich unterlaufen. Comicartig überzeichnete Selbstporträts der Künstlerin treten darin vor flapsig kopierten Zitaten aus der Kunstgeschichte auf und stellen die Figur des Künstlers als autonomes Subjekt in Frage. Ergänzt werden diese Arbeiten durch skulpturale Figuren aus Pappmaché, die mit schräger Komik und bewusstem Dilettantismus auftreten. Präsentiert auf Sockeln, die an antike Säulenordnungen erinnern und diese zugleich ins Kitschhafte verkehren, entstehen ironische Brechungen klassischer Referenzen.

Augenzwinkerndes Zeichen

Viele dieser Figuren gehen auf den von Schmidt in München gegründeten „Clay Club Schmidt“ zurück. Da der ursprünglich geplante Keramikofen aus Sicherheitsgründen nicht realisiert werden konnte, wich Schmidt auf das flexible Material Pappmaché aus und entwickelte daraus eine eigenständige Formsprache. Die so entstandenen Objekte lassen sich immer wieder neu arrangieren und reagieren auf die jeweiligen räumlichen Gegebenheiten – auch in Bludenz. Als markante Blickpunkte ergänzen ein überdimensionierter Pinsel und ein monumentaler Farbstift die Installation und setzen ein augenzwinkerndes Zeichen gegen die oft behauptete Erhabenheit der Kunstgeschichte.

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Die deutsche Künstlerin Kristina Schmidt.Kristina Schmidt

Nach mehreren Jahren in New York, wo sie studierte und als Assistenzprofessorin am Hunter College tätig war, lebt und arbeitet Kristina Schmidt seit drei Jahren wieder in München. Die Vermittlung von Kunst bleibt für sie zentral. In Bludenz sucht sie gezielt den direkten Austausch mit Besucherinnen und Besuchern, dessen Resonanz wiederum in ihre Arbeit einfließt.