Große Jubiläumsgala der Musikschule Bregenz

Kultur / 07.05.2026 • 08:55 Uhr
Der Superar Chor und das Musikschulorchester. Copyright Udo Mittelberger
Der Superar Chor und das Musikschulorchester. Udo Mittelberger

125 Jahre Kulturvermittlung, Persönlichkeitsbildung und Integration.

Bregenz Es war ein Fest für Groß und Klein, die Jubiläumsgala „125 Jahre Musikschule Bregenz“, die am 5. Mai im Festspielhaus vor einem rund 1000köpfigen Publikum und mit 300 Mitwirkenden über die Bühne ging. Schon im Jänner hatte der Lehrkörper sein vielseitiges Können gezeigt – nun standen die Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt. Es dauerte eine Weile, bis nach der einleitenden Fanfare die aus Bällen gebildeten Ziffern 1, 2 und 5 in der richtigen Ausrichtung und Reihenfolge platziert waren („Das sind sicher Lehrer“, flüsterte eine Stimme hinter mir), das war aber auch der einzige kleine Hänger in einem perfekt durchgezogenen und von der Direktorin Bettina Wechselberger charmant und kompetent moderierten Programm.

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Udo Mittelberger

Gleich zu Beginn sangen sich die Kinder der Volksschule Riedenburg zusammen mit dem Superar Chor der Volksschule Augasse mit „Un poquito cantas“ und „Heb di fescht am Bänkle“ in die Herzen des Publikums, das beim Wälderbähnle-Lied auch mitsingen durfte. Das Ensemble Raindrops, LMC und die Vocal Teens brachten Pop-Rock, das Trio Lin (David Lin, Violine, Anna-Maria Kozyrev, Klavier, Emely Schele, Cello) zeigte mit einem Satz aus einem Klaviertrio von Clara Schumann bemerkenswerte künstlerische Reife. Die Sopranistin Melanie Schuster, begleitet von Katharina Ocvirk, sang Lehár, dann führte Stadtarchivar Thomas Klagian durch die 125jährige Geschichte der Musikschule, die nur als Erfolgsgeschichte beschrieben werden kann. Das mit dem Keller- und Kammerorchester vereinigte Musikschulorchester, dessen Mitglieder zwischen 8 und 86 Jahren alt sind, brachte nicht nur den Danzón No. 2 des mexikanischen Komponisten Arturo Márquez schwungvoll zur Aufführung, der Künstler gratulierte höchstselbst in einer Videobotschaft – und das am 5. Mai, dem mexikanischen Nationalfeiertag!

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Udo Mittelberger

Nach der Pause kam mit der Big Band Großstadtfeeling aus New York und Wien in den Saal, mit einer Top-Sängerin und Top-Saxophonsolos. Wie weit es ein Musikschüler bringen kann, der durch das Volksschulprogramm der Bregenzer Musikschule zur Musik gekommen ist, bewies Umutcan Aksoy, der nun am Mozarteum studiert und eine akrobatische Solonummer am Schlagwerk hinlegte. (Andere Ehemalige sind z. B. Rainer und Manfred Honeck, Geigenschüler bei der legendären Grete Urbanek). Ein Podium mit Bürgermeister Michael Ritsch – er brachte es immerhin bis zur Altblockflöte –, Stadträtin Eveline Miessgang und dem langjährigen Musikschuldirektor Peter Heiler drückte in präzisen Statements die Unterstützung für die Musikschule, Dank und Anerkennung aus; Heiler betonte, wie wichtig es sei, durch die Musik Teilhabe am „Feuerwerk der Emotionen“ zu erhalten und die nötige Hilfe vermittelt zu bekommen, um selbst zu musizieren. Dem kann man nur beipflichten, besonders im Zeitalter der digitalen Seelenzerstörung schon im Kindesalter. Der Wert der Musikschule liegt aber nicht nur in der Ermöglichung musikalischer Selbsttätigkeit, sondern gerade in einer Stadt wie Bregenz, in der über 90 Nationen leben, in der Integration der Kinder der Zugewanderten; die Arbeit der Musikschule bereits in den Volksschulen ist da nicht hoch genug einzuschätzen. So setzten das Musikschulorchester und der Superar Chor, der sich diesem Ziel verschrieben hat, mit griechisch-türkischen und persischen Traditionals einen nicht nur musikalisch bezaubernden, sondern auch politisch hoffnungsvollen Akzent: Gemeinsames Musizieren von klein auf bringt die Menschen zusammen. Mit dem großen Finale „Music was my first love“, an dem alle mitwirkten, fand ein ansprechendes und bewegendes Jubiläumskonzert ein glückliches Ende.                   

Ulrike Längle