Tatort Alpen: Mörderisches aus der Bergwelt.

Kultur / 08.05.2026 • 12:57 Uhr
Tatort Alpen 270 Seiten, Verlag ars vivendi
“Tatort Alpen” hat 270 Seiten und ist im Verlag ars vivendi erschienen. ars vivendi

Hinter jedem Baum lauert ein Mörder.

Schwarzach Der Verlag ars vivendi hat 11 deutschsprachige Krimi-Autoren gebeten, einen Kurzkrimi zu verfassen, der in den Bergen spielen soll. “Tatort Alpen” heißt er, neben veritablen Stars wie Friedrich Ani legt auch der Bregenzer Autor André Pilz eine Kostprobe mit “Tödlein” vor. Im Gegensatz zu den anderen Autoren legt André Pilz seine Geschichte politisch an. Sein Hauptcharakter Renz wird von Aksel, einem stinkreichen Freund aus jungen Jahren, aufgesucht. Nicht ohne Grund, denn Aksel bekam vor einiger Zeit von Celia, seiner Jugendliebe, eine Mail, dass sie Lust hätte, ihn wieder zu treffen, am besten auf der Berliner Hütte. 

Wenn Täter Opfer werden

Für alle, die es nicht wissen: Die Berliner Hütte liegt im Zillertal, ist vom Tal aus in 3,5 Stunden gut erreichbar, technisch durchaus machbar, wenn man über genügend Grundkondition verfügt. Gesagt, getan, machen sich die zwei auf den Weg, und schon wird bald klar, dass es keine normale Wanderung werden wird. Aksel lässt so nebenbei einflößen, dass Renz ein Hauptgrund war, dass die Beziehung zu Celia scheiterte, und Renz bringt immer öfter ins Spiel, dass Aksel aus einer Dynastie skrupelloser Waffenfabrikanten stammt. Hier braut sich mehr als ein Unwetter zusammen – eine saubere und ideenreiche Arbeit des Vorarlberger Autors! 

der Ötzi vom Matterhorn

Gut lesbar, fast schon wie ein klassischer, englischer Krimi ist “Der Ötzi vom Matterhorn” in dem sich die Autorin Brigitta Winkelried mit einer Eisleiche auseinandersetzt, die nahezu so alt wie der Ötzi ist, aber eben nur nahezu, so also relativ unbekannt. Er ist zwar mausetot, treibt aber sein Unwesen. Subtil legt es Sophie Sumburane in “Mönchsgeier” an, deren Hauptcharakter einem Stalker zum Opfer fällt. Diese Story liest man gerne ein zweites Mal, weil die Autorin sehr intelligent mit dem Thema umgeht und zeigt, dass man Stalkern auch als intelligenter Mensch sehr schnell auf den Leim gehen kann. 

Steigeisen und Seilschaften

Aber nicht alles ist Berg und Tal. In Friedrich Anis “Felsenkeller” kann man sich die Geschichte auch in einem Dorf bei München oder in einem Münchner Außenbezirk vorstellen. Und schon bald geht es um eines seiner Lieblingsthemen, den Tyrann der seinem Drang freien Lauf lässt und ein jeder schaut zu. Der Tod des Tyranns bringt auf alle Fälle einiges in Bewegung. Ein Thema, das sich durch alle Krimis zieht, ist die scheinbare Anonymität, die zur Gräueltat animiert. “Männerfreundschaften” von Roland Spranger sei hier stellvertretend erwähnt, wo im Zentrum zwei Freunde stehen, die sich um eine und dieselbe Frau duellieren. André Pilz umreißt die Grundeinstellung der Autoren in einem Satz: “Ich liebe die Berge mehr als das Meer”, sonst kann es zu keiner glaubhaften Berggeschichte kommen. Man sollte eben auch ein kleiner Bergfex sein. In Leonhard F. Seidls “Schicksalsberg Watzmann” spürt man regelrecht, wie Steigeisen ins Eis fahren und Seilschaften auf die Probe gestellt werden. 

Martin G. Wanko