Lech leuchtet beim Eurovision Song Contest

Der Skyspace von James Turrell wird im ESC-Postcard-Video Millionenpublikum präsentiert.
Lech Wien Wenn beim Eurovision Song Contest vor dem Auftritt Großbritanniens das kurze Postcard-Video über die Bildschirme läuft, wird auch ein Stück Vorarlberger Kunstlandschaft in die Wohnzimmer Europas getragen. Ein Filmteam hat im Auftrag des ESC in Lech Zürs gedreht und dabei neben Orts- und Landschaftsaufnahmen auch den Skyspace-Lech von James Turrell in Szene gesetzt. Die Postcards, die jedem Act vorangestellt werden, sollen dem Publikum die Vielfalt Österreichs näherbringen. In diesem Fall wird nicht nur alpine Winterlandschaft gezeigt, sondern auch ein Kunstwerk, das Licht und Himmel erfahrbar macht.

Der Skyspace-Lech, auf der Alpe Tannegg in Oberlech gelegen, wurde vom privaten Verein Horizon Field initiiert und errichtet. Seit seiner Eröffnung 2018 hat sich der weitgehend unterirdisch in die Landschaft eingebettete Bau zu einem Anziehungspunkt für Kunstfreunde aus dem In- und Ausland entwickelt. Mehr als 20.000 Besucherinnen und Besucher kommen jährlich hierher, um Turrells stilles Werk zu erleben. Dass dieses nun im Rahmen des ESC einem Millionenpublikum vorgestellt wird, bedeutet für Lech und Vorarlberg internationale Sichtbarkeit.
Natürliches und künstliches Licht
James Turrell, einer der prägenden Lichtkünstler der Gegenwart, konzipierte den Skyspace nach einem Besuch in Lech 2014 eigens für diesen Ort. Schon der Zugang durch einen schmalen Tunnel führt aus der Bergwelt in eine Zone konzentrierter Wahrnehmung. Im Zentrum steht der sogenannte Sensing Room, ein ovaler Raum mit einer Öffnung in der Decke, durch die der Himmel zum Bestandteil des Kunstwerks wird. Natürliches und künstliches Licht treten hier in einen Dialog, der besonders bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang wirkt. Farben verschieben sich, Konturen verändern sich, der Blick wird auf seine eigenen Gewohnheiten zurückgeworfen.

Das ESC-Filmteam widmete sich bei den Aufnahmen in der Winterlandschaft dieser Verbindung von Lichtkunst und Arlberger Bergwelt. Der Skyspace ist kein Kunstobjekt, das man rasch besichtigt. Er ist ein Wahrnehmungsraum, der zur Verlangsamung einlädt und inmitten der Landschaft den Blick nicht auf das Panorama allein lenkt, sondern auf das Licht, das es verwandelt. Durch die Aufnahme in das Postcard-Video erhält dieses stille Kunstwerk eine Bühne, die weit über die Alpen hinausreicht.