Kulturpolitisches Zeichen

VN-Kommentar von Walter Fink.
Seit Jahren wird der „Kunst- und Kulturpreis der Vorarlberger Nachrichten und der Wiener Städtischen“ – ins Leben gerufen von der früheren Kulturchefin der VN, Christa Dietrich – verliehen. Von einer hochkarätigen Jury werden künstlerisch tätige Personen, die in Vorarlberg geboren wurden oder solche, die seit Längerem in Vorarlberg leben und arbeiten, ausgezeichnet. Manchmal aber ist dieser Preis nicht nur künstlerische Bestätigung, bisweilen wird er auch zu so etwas wie einem politischen Statement. So auch vor einigen Tagen, als der Sonderpreis der Jury an die Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, Stephanie Gräve, verliehen wurde.
Die Begründung der Jury lautet: „Alle Punkte, die Stephanie Gräve in Vorarlberg umgesetzt hat, entsprechen einer Art Handout für Theaterleitung: Sie sieht das Haus und seine Leistungen als Teamwork, greift Inhalte aus der Regionalgeschichte ebenso auf wie bedeutende Themen der Zeit. Sie pflegt partizipative Ansätze zeitgenössischer Theaterarbeit, in die sie etwa auch das Schaffen hochkarätiger Musiker(innen) einbindet.“ Das ist alles einleuchtend, entspricht dem, wie Stephanie Gräve ihre Arbeit sieht, auch dem, wie eine Jury ihre Preisträger bewertet. Und doch ist es in diesem Fall etwas ganz anderes: Es ist eine Ohrfeige für die Kulturpolitik dieses Landes, die Gräve eine Verlängerung ihres Vertrages aus nicht klar ausgeführten Gründen verwehrt. Gleiches gilt für den Aufsichtsrat der Kulturhäuser-Betriebsgesellschaft, der sich als willfähriges Ausführungsorgan der Politik demaskiert hat. Denn ziemlich alle Argumente, die laut Jury des Preises für Gräve sprechen, wurden von Aufsichtsrat und Politik negiert. Ebenso sieht das der Verein der Theaterfreund:innen, der mit der Petition „We stand with Stephanie“ schon weit über tausend Unterschriften gesammelt hat, die die Weiterbeschäftigung der Intendantin fordern.
In der „Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft“ heißt es in einem Artikel zur Verleihung des Preises, dass die Jury damit „ein kulturpolitisches Zeichen“ gesetzt habe. In früheren Statements hat beispielsweise auch die österreichische IG Literatur gegen die Nichtverlängerung des Vertrages von Gräve protestiert, ebenso haben sich die Intendant:innen der österreichischen Bundesländer- und Städtetheater klar geäußert: „Stephanie Gräve hat das Vorarlberger Landestheater erfolgreich und zukunftsorientiert weiterentwickelt und als wichtigen Player in der österreichischen Theaterlandschaft positioniert, dafür gebührt ihr große Anerkennung.“
Viel Lob also für die Intendantin. Dass nach jedem Abend im Kornmarkttheater nach wie vor um Unterschriften zur Verlängerung des Vertrages für Stephanie Gräve geworben wird, zeigt, dass die Entscheidung des Aufsichtsrates nach wie vor nicht akzeptiert wird. In der vergangenen Spielzeit gab es für das Theater die höchsten Besucherzahlen bisher. Und eigentlich, so glaubt man, hat doch das Publikum damit das entscheidende Votum gegeben. „Vox populi, vox Dei“ haben die alten Römer gesagt, „Volkesstimme ist Gottesstimme“. Das sollte doch auch im Theater gelten.