Bartolis großer Auftritt als eigene Legende

Kultur / 25.05.2026 • 12:41 Uhr
Bartolis großer Auftritt als eigene Legende
Cecilia Bartoli blickte in „Ciao, bella ciao“ auf ihre Karriere zurück und verwandelte das Große Festspielhaus in eine schillernde Showbühne.Kristian Schuller/Decca

Die Salzburger Pfingstfestspiele feierten ihre Intendantin mit einer opulenten Revue.

Salzburg Cecilia Bartoli machte bei den Salzburger Pfingstfestspielen im Großen Festspielhaus ihren bevorstehenden 60. Geburtstag zum Anlass für eine opulente, überdrehte und zugleich erstaunlich persönliche Show. „Ciao, bella ciao“, inszeniert von Davide Livermore, war keine klassische Gala, sondern eine autobiografische Revue zwischen Fernsehshow, Familienalbum und Opernfantasie. Ein fiktives Fernsehteam führte durch den Abend, interviewte die Sängerin und verband Stationen ihrer Karriere mit Erinnerungen, Anekdoten und musikalischen Nummern.

Statt großer Opernarien standen Canzoni, Schlager, Musical- und Revuenummern im Mittelpunkt, ergänzt durch Tanz, Choreografie und eine monumentale Leinwand, auf der Archivmaterial, Videoanimationen und fantasievolle Bildwelten erschienen. Die Show führte von Bartolis Kindheit in Rom, wo sie als Neunjährige den Hirtenknaben in „Tosca“ sang, über frühe Fernsehauftritte bis zu internationalen Karrierebildern. Mal raste die junge Bartoli in animierten Mopedrennen durch Rom, mal öffneten sich Weltkarten oder die Kulisse New Yorks, wie sie italienische Einwanderer einst vom Wasser aus sahen.

Jubel und Bravorufe

Besonders berührend war eine Szene in der Küche ihrer Mutter, selbst Sängerin, deren alte „Traviata“-Aufnahme eingespielt wurde. Als die 90-Jährige im Publikum aufstand, reagierte der gesamte Saal mit Standing Ovations. Auch die Widmung an Bartolis verstorbenen Bruder brachte einen seltenen stillen Moment in die sonst pausenlos pulsierende Show.

Der Abend bewegte sich nahe am Kitsch, kippte aber dank Bartolis Selbstironie und emotionaler Offenheit nie ganz hinein. Musikalisch verwandelten sich Les Musiciens du Prince – Monaco unter Yvan Cassar vom Opernorchester in die Big Band einer italienischen Samstagabendshow. Besonders der Carmen-Block mit glitzernden Toreros und spektakulären Tanznummern entfaltete große Wucht.

Zum Finale erhob Livermore Bartoli endgültig zum Mythos und erklärte Salzburg zu jenem Ort, der sie zur Norma gemacht habe. Mit Bellinis „Casta Diva“ erinnerte Bartoli daran, dass hinter allem Glanz weiterhin eine außergewöhnliche Sängerin steht. Das Publikum dankte mit frenetischem Jubel, Bravorufen und Standing Ovations am Ende