Freiheit beginnt im Klassenzimmer

Schüler der MS Gisingen Oberau setzten sich kreativ mit Geschichte, Rechten und Zukunft auseinander.
Freldkirch Zum Jubiläum „650 Jahre Freiheitsbrief“ setzten sich 21 Schülerinnen und Schüler der Klasse 1a der Mittelschule Gisingen Oberau in Feldkirch eine Woche lang mit der Frage auseinander, was Freiheit bedeutet. Begleitet von Autorin Jenny Dietrich verband das Projekt Geschichte, Philosophie, Kunst und Theater und führte die Zehn- bis Zwölfjährigen vom Freiheitsbrief zu eigenen Gedanken über ein freies Leben.

Ausgangspunkt war das Jahr 1376: Graf Rudolf V. von Montfort verkaufte Feldkirch an die Habsburger und erließ den Freiheitsbrief. Dieser brachte neue Rechte, darunter das Ende der Leibeigenschaft, mehr Bewegungsfreiheit und Mitbestimmung durch die Wahl eines Stadtammanns. Von dieser Grundlage aus stellte Jenny Dietrich den Kindern Fragen: Was ist Freiheit? Was bedeutet Unfreiheit? Sind wir frei? Und gibt es Kinder, denen Freiheit verwehrt bleibt?
Die Antworten zeigten, wie unterschiedlich Freiheit aus kindlicher Sicht wahrgenommen wird. Genannt wurden Gefängnis, Schule oder Handyverbot als Zeichen von Unfreiheit, aber auch Natur, gewaltfreies Leben, Freundschaft und freie Bewegung als Ausdruck von Freiheit.

Besonders eindrücklich war eine Übung mit einer gedachten Grenze durch das Klassenzimmer: Eine Seite stand für Freiheit, die andere für Unfreiheit. Als die Kinder sich zur Frage positionierten, ob Schule Freiheit oder Einschränkung bedeute, fiel die Antwort eindeutig aus: Schule wurde als unfrei empfunden. Doch als Dietrich von Mädchen in Nigeria und Afghanistan erzählte, denen Bildung verwehrt bleibt, veränderte sich der Blick. Plötzlich erschien Schule auch als Privileg.

Auch andere Begriffe wurden neu betrachtet. Beim Thema Gefängnis sprachen die Kinder über Freiheitsentzug und darüber, dass Regeln und Gesetze Sicherheit schaffen und Freiheit ermöglichen können. Anschließend lernten sie Freiheitskämpferinnen und Freiheitskämpfer kennen, darunter Malala Yousafzai, Rosa Parks, Martin Luther King Jr. und Amanda Gorman. In Gruppen recherchierten sie deren Geschichten mit „Little People, BIG DREAMS“.

Aus den Gesprächen entwickelte sich die künstlerische Aufgabe: Jede Gruppe formulierte einen persönlichen Satz zum Thema Freiheit. Aussagen wie „Freiheit bedeutet für mich, meine Meinung sagen zu dürfen“ oder „Freiheit bedeutet für mich, mich frei bewegen zu können“ wurden in Acrylbilder übertragen. Die Arbeiten waren in der Galerie des Theaters am Saumarkt zu sehen.

In der zweiten Wochenhälfte verwandelten die Schülerinnen und Schüler ihre Gedanken in Theaterszenen. Ein Junge, der sich gegen Gewalt wehrt und laut „STOPP!“ ruft, stand für den Wunsch nach einem guten Leben. Zwei Freundinnen, getrennt durch eine unsichtbare Barriere und erst durch einen Schlüssel wieder vereint, machten Bewegungsfreiheit sichtbar. Andere Szenen erzählten von Essen, Freundschaft und Selbstbestimmung. Präsentiert wurden sie vor zwei eingeladenen Klassen im Theater am Saumarkt.

Eindringlich war der Auftritt aller Schülerinnen, die mit Freiheitsplakaten durchs Theater marschierten und „Freiheit!“ riefen. Am Ende stand der Satz: „Freiheit bedeutet für uns die Zukunft!“