Architekturtage rücken den Alltag ins Zentrum

Das Vorarlberger Architektur Institut macht Infrastruktur neu erfahrbar.
Schwarzach Drei Tage, neun Bundesländer, rund 300 Veranstaltungen: Die Architekturtage gehen von 28. bis 30. Mai in ihre 13. Runde. Österreichs größte Publikumsveranstaltung für Baukultur und Ingenieurtechnik widmet sich diesmal einem Thema, das meist erst auffällt, wenn es nicht funktioniert: den Infrastrukturen des Alltags. Unter dem Motto „Was uns verbindet“ öffnen die zehn Architekturinstitutionen Österreichs Türen, führen an kaum zugängliche Orte und zeigen, wie sehr Brücken, Bahnhöfe, Kraftwerke, Wasserleitungen, Abwassersysteme, Logistikzentren oder Verkehrswege unser tägliches Leben prägen.
Gerade weil Infrastruktur im besten Fall selbstverständlich wirkt, lohnt sich der genaue Blick. Sie hält Städte und Gemeinden zusammen, verbindet Landschaftsräume, ermöglicht Mobilität, Energieversorgung und Versorgungssicherheit. Zugleich schreibt sie sich sichtbar in die Umgebung ein, verändert Ortsbilder, Flussräume, Täler und Siedlungsränder und stellt damit kulturelle, soziale und ökologische Fragen. Wo liegen gelungene Beispiele? Wo zeigen sich Fehlentwicklungen? Welche Anlagen werden in den kommenden Jahrzehnten notwendig sein, wenn Österreich auf Klimawandel und veränderte Energiebedürfnisse reagieren muss?
Vom Rheintal bis ins Montafon
Die Architekturtage verstehen Infrastruktur nicht nur als technische Aufgabe, sondern als gesellschaftliches Thema. Sie präsentieren gelungene Beispiele, stellen kontroverse Projekte zur Diskussion und machen deutlich, wie dringlich die Debatte ist. Denn ein erheblicher Teil jener Anlagen, die bis 2050 benötigt werden, ist heute noch nicht gebaut. Damit entscheidet sich, wie Versorgung organisiert wird und wie gut Lebensräume künftigen Anforderungen standhalten.
In Vorarlberg gestaltet das vai Vorarlberger Architektur Institut ein Programm vom Rheintal bis ins Montafon. Der Bogen reicht von der Industrie- und Infrastrukturgeschichte des Landes über Verkehr und Energie bis zu neuen Projekten, die zeigen, wie Planung, Technik und Alltag ineinandergreifen. Wasserachsen wie Ill, Rhein und Bodensee bilden dabei ein thematisches Rückgrat und verbinden unterschiedliche Infrastrukturtypen.
Den Auftakt macht am Donnerstag, 28. Mai, OPENSTUDIO26. Architektur- und Zivilingenieurbüros öffnen ihre Türen und geben Einblick in Arbeitsweisen und Projekte. Am Freitag, 29. Mai, stehen Vermittlung, Geschichte und konkrete Orte im Mittelpunkt. Unter dem Titel „Verlegt. Verbaut. Versorgt. Infrastrukturgeschichte im Depot des Vorarlberg Museums“ führt eine Veranstaltung in die Sammlung und erinnert an Projekte wie die Arlbergbahn oder den Hafen Bregenz. Weitere Führungen, Ausstellungen und Rundgänge machen gebaute Strukturen sichtbar. Am Samstag, 30. Mai, richtet sich der Blick auf Zukunft und überregionale Zusammenhänge. Exkursionen entlang zentraler Infrastrukturräume, Dialogformate zu Mobilität, Energie und sozialer Infrastruktur sowie Ortsbegehungen fragen danach, wie Infrastruktur als verbindendes System zwischen Landschaft, Stadt und Gesellschaft wirkt. Ergänzt wird das Programm am Sonntag, 31. Mai, durch einen Stadtspaziergang in Bludenz, eine Führung durch das Kraftwerk Latschau mit Klanginstallation in der Kirche Latschau sowie den Töpferworkshop „Alles fließt“.
Die Formate reichen österreichweit von kuratierten Touren, Bauvisiten und Fahrradtouren über Workshops, Pop-up-Ausstellungen und Podiumsdiskussionen bis zu Angeboten für Kinder und Familien. Sie richten sich an alle, die wissen möchten, wie Räume entstehen, wer sie plant und warum Infrastruktur weit mehr ist als reine Zweckmäßigkeit. Die Veranstaltungen sind kostenfrei, Anmeldungen sind häufig erforderlich.