Klangspuren durch drei Jahrhunderte

Kultur / 29.05.2026 • 10:44 Uhr
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Harmonie der Gegensätze: Die Oboenklasse verzauberte das Bregenzer Publikum mit ihren Klangspuren.Andreas Marte

Konzert am Mittag der Oboenklasse Adrian Buzac im vorarlberg museum.

Bregenz Die Oboe ist ein Instrument der schmalen Grate: zwischen pastoraler Innigkeit und nasaler Schärfe, zwischen barocker Klangrede und romantischer Kantilene, zwischen Solostimme und kammermusikalischer Mitte. Wie viele dieser Grate eine einzige Klasse zu beschreiten vermag, war am Donnerstagmittag im vollbesetzten Foyer des vorarlberg museums zu erleben. Unter dem Titel „Klangspuren.” stellten neun Schülerinnen und Schüler aus der Klasse von Adrian Buzac einen Programmbogen vor, der von Bach bis ins 21. Jahrhundert reichte und dabei kein einziges Mal an Spannung verlor.

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Die Schülerinnen und Schüler der Oboenklasse von Adrian Buzac präsentierten im vorarlberg museum Werke von Bach bis ins 21. Jahrhundert. Andreas Marte

Den Auftakt machte Petru Bălănescu-Pascu mit dem Larghetto aus Óscar Navarros „Legacy”. Schon hier zeigte sich, was den Mittag tragen sollte: ein warmer, runder Ton, dem die ruhige Atemführung anzumerken war. Elena Jenny folgte mit Charles Colins „Solo de concours” und löste die typische Pariser Konzertdramaturgie aus getragener Einleitung und schnellem Schlussteil mit einer Mischung aus Selbstvertrauen und feiner Artikulation ein. Klassische Eleganz brachte Aida Hadžić in den beiden Sätzen aus Cimarosas Oboenkonzert ein – der Siciliana mit schlankem, leicht melancholisch eingedunkeltem Klang, dem Allegro giusto mit federnder Beweglichkeit. Welch andere Welt sich gleich nebenan öffnet, demonstrierte Miriam Kuss in Marina Dranishnikovas „Poème”: ein leidenschaftlich aufgeladenes Stück russischer Spätromantik, das die junge Oboistin mit großem Atem und kluger Steigerungsdramaturgie zu einem Höhepunkt formte.

Kammermusikalische Formationen

Auch das Englischhorn bekam seinen Auftritt: Annika Matula widmete sich mit Antonio Pasculli „Amelia” einem der virtuosesten Brocken der Literatur, ein Stück, das vom Spieler beinahe Zirkusartistik fordert und dabei den dunklen, sehnsuchtsvollen Charakter des Instruments nie aus den Augen verlieren darf. Im Gegenzug ließ Julia Baum mit Poulencs „Élégie”, jener Trauermusik auf den Tod Prokofjews, eine ganz andere Stille im Raum entstehen, in der jede Pause sprechend wurde. Quentin Föhr griff zur Oboe d’amore und spielte den ersten Satz aus Bachs A-Dur-Konzert mit dem federnden Selbstverständnis, das diese Musik verlangt, in fein abgestufter Phrasierung und schöner Klangfarbensprache des größeren Instruments.

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Zwei kammermusikalische Formationen führten dann hin zum Schluss: Das Trio „Lumen” mit Hanna Konrad (Flöte), Pia Natter (Oboe) und Ruben Neyer (Klavier) brachte nach Mozarts Andante aus der Fantasie für eine Orgelwalze den „Dance” aus Malcolm Arnolds Suite bourgeoise mit jenem augenzwinkernden britischen Witz auf die Bühne, der Arnolds Tonsprache eigen ist. Jenna Embley besann sich in Carl Nielsens „Romanze und Humoreske” auf die nordische Intimität dieses frühen Opus. Musik, die mehr im Gestus als in der Geste lebt und genau darin ihre Stärke fand. Den Schlusspunkt setzte das Trio „Windkraft” mit Aida Hadžić (Oboe), Jimin Lee (Flöte) und Sergio Tudela (Klarinette) in zwei Sätzen aus Arnolds Divertimento op. 37: ein hochkonzentriertes Zusammenspiel mit präziser Artikulation und feinem Sinn für kammermusikalische Balance. Eine eigene Würdigung verdient Yukie Togashi am Klavier. Wer so viele unterschiedliche Solistinnen und Solisten trägt, ihre Tempi mitatmet, ihre Übergänge stützt und dabei in jeder Stilwelt die richtige Klangfarbe findet, leistet weit mehr als Begleitung.

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Andreas Marte

Am Ende langer, herzlicher Applaus für eine Klasse, die unter Adrian Buzacs Führung weniger einen einheitlichen Klang anstrebt als individuell geformte Stimmen und gerade darin eine der überzeugendsten Visitenkarten regionaler Nachwuchsförderung ablegt.