Helena Falke und der Thriller am Luftkurort

Kultur / 08.06.2026 • 12:52 Uhr
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Helena Falke: “Noch fünf Tage”, erschienen im Suhrkamp Verlag, 301 Seiten. suhrkamp

Ein Thriller in einem Nobel-Skiort ist fast schon ein Klassiker.

Schwarzach „Noch fünf Tage” benennt Helena Falke ihren Thriller, dementsprechend ist auch klar, dass hier die Post abgeht – ein Protagonist ist hier in fünf Tagen Geschichte. Tatsächlich soll es die Haubenköchin Lissi sein, zugleich die Ich-Erzählerin. Zum Inhalt: Der Unternehmerfamilie Harmans wird auf ihrem Landsitz im Luftkurort Davos in der Silvesternacht durch einen Giftanschlag der Garaus gemacht. Schnell wird klar, dass das Essen vergiftet sein muss. So wird Lissi, ihre Köchin, zur Hauptverdächtigen. Nur blöd, dass auch Lissi – wenn auch in abgeschwächter Form – eine Dosis vom Gift abbekam. Jetzt hat sie nur noch fünf Tage zu leben und zugleich fünf Tage Zeit, um den tatsächlichen Täter zu finden. 

Ein Roman aus dem Krankenbett im Speed-Format

Helena Falke, eine deutsche Autorin, die unter einem Pseudonym schreibt, spielt die Karten gut aus, sodass sie ein schönes Setting hat: Mit an Bord sind Tochter Cosima, Lissis alkoholkranker Mann Anton, die Krankenschwester Esme, dazu noch einige hochd±otierte und hochinteressante Mitglieder der Familie, die durch Abwesenheit den Anschlag überlebt haben, aber guten Grund hätten, sich an der Familie zu rächen. Ort der Handlung ist das Spital in Davos, wo Lissi auf ihren Tod wartet. Die roten Stränge im Roman sind zum einen das Schaffen einer sicheren Zukunft für ihre Tochter, zum anderen sollte eben der Täter gefunden werden und das alles in fünf Tagen, Potzblitz! 

Zwischen High Society und Klassenkampf

Die Autorin Helena Falke hantiert hier wie eine Köchin auf einigen Feuerstellen zugleich und kann so gut dosieren: Lissi findet Zeit, ihrer Vertrauensperson, der Krankenschwester, ihren Aufstieg als Köchin im New Yorker Catch bis zur Abwerbung durch die steinreiche Familie Hermans zu schildern. Dazu lässt die Autorin feine Gerichte einfließen: Pechschwarze Kemani Hühner, mariniert mit sündteurem türkischen Höhlenhonig beispielsweise. Das bringt sie mit der Begeisterung einer Köchin ganz wertungsfrei, wenn sie dann noch während der gedanklichen Suche nach dem Mörder die Familienstory der Hermans erzählt, kommt das sehr geschmeidig. Auch lässt sie die Klassenzugehörigkeit einfließen, „Was vom Tage übrigblieb”, kommt einem dabei in den Sinn, der verfilmte Roman von Pulitzer-Preisträger Kazuo Ishiguro. 

Reale Schauplätze, guter Stoff

Als Leser kann man es sich durchaus vorstellen, dass eine “ernsthafte” Autorin eines angesehenen deutschen Verlags – vermutlich Suhrkamp, sonst wäre der Thriller dort nicht erschienen – einmal eine gewisse Lust empfindet, einen Kracher von der Leine zu lassen. Das geht auf weiten Strecken gut, vielleicht wäre im Finish ein schneller Cut besser gewesen, als ein Ausdünnen der Geschichte, welches die Spannung auf den letzten Seiten mindert. Etwas weniger Plot könnte die Story auch sickern lassen, aber in Summe ein packendes Buch, das man gerne weiterliest, Örtlichkeiten und Schauplätze sind real, da kann man unterhaltsam mitgoogeln, was erneut einen gewissen Reiz ausmacht.  

 Martin G. Wanko