Theater als Einladung zum Staunen

Bereits zum 38. Mal findet heuer das Luaga & Losna Festival in Nenzing statt.
nenzing Von 16. bis 20. Juni verwandelt sich der Ramschwagsaal wieder in jenen Ort, an dem Theater für ein junges Publikum als offene Kunstform verstanden wird, die Kinder ernst nimmt, Erwachsene mitnimmt und daran erinnert, dass große Fragen oft dort beginnen, wo man noch keine fertigen Antworten erwartet. Das Festival setzt auch 2026 auf Schauspiel, Musik, Tanz, Objekt- und Figurentheater, auf poetische Bilder, Humor und Aufmerksamkeit für das Kleine.

Eröffnet wird das Nenzinger Programm am Dienstag, 16. Juni, um 17 Uhr mit „Only Flowers“ von Agora, dem Theater der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Die Produktion für Kinder ab acht Jahren geht von Fragen aus, die Kinder aus Ostbelgien gestellt haben: Was ist eine Grenze? Kann ein Roboter mein Freund werden? Haben Tiere eine Nationalität? Was ist ein Vorurteil? In einer tänzerischen Performance suchen zwei Interpretinnen und Interpreten nach Antworten jenseits der Sprache, nach Bewegungen, Klängen und Bildern für Themen wie Freiheit, Begegnung, Zugehörigkeit und Fremdheit. “Only Flowers” ist auch am Mittwoch um 10 Uhr zu erleben.

Am Mittwoch, 17. Juni, um 17 Uhr und am Donnerstag, 18. Juni, um 10 Uhr steht mit „Sound Kitchen – Klangküche“ des slowenischen Kuskus Institute eine musikalische Kochshow für Kinder ab fünf Jahren auf dem Programm. Hier wird nicht mit Zutaten, sondern mit Geräuschen gekocht; ein Koch verliert seinen Geschmackssinn und findet ihn erst wieder, indem er Klänge erzeugt, ihnen lauscht und aus ihnen ein Festmahl komponiert. Das Publikum darf sich beteiligen und erfahren, dass Hören, Riechen, Schmecken und Fantasie manchmal enger zusammenliegen, als man denkt.
Mut und Widerstand
Einen besonderen Abend verspricht am Donnerstag um 20 Uhr „Der merkwürdige Herr Bruckner“, eine Koproduktion der deutschen Gruppe Die Exen mit dem österreichischen Spring String Quartet, empfohlen für Kinder ab zehn Jahren und Erwachsene. Als Hommage zum 200. Geburtstag Anton Bruckners lässt das Stück den Komponisten aus seiner ewigen Ruhe erwachen. Er erzählt von künstlerischem Mut, Widerständen, Frömmigkeit und jenem inneren Universum, das seine Musik bis heute trägt. Diese Annäherung ist nicht museal, sondern spielerisch, musikalisch und puppentheatral gedacht.

Der Freitag, 19. Juni, beginnt um 10 Uhr mit „Kaputt“, einem Theaterstück mit Teddy, Tasse und viel Tamtam für Kinder ab drei Jahren. Die Exen erzählen vom Zerbrechen, Wegwerfen, Reparieren und Wieder-Kaputtgehen, von kleinen Katastrophen, die im kindlichen Alltag große Dramen sein können, und von der tröstlichen Erfahrung, dass manches wieder heil wird. Um 17 Uhr folgt „Kto Tam? – Wer ist da?“ der Schweizer Domovoi Theatre Company für Kinder ab sechs Jahren. Diese visuelle Fabel erzählt von einem kleinen Hausgeist, der zurückbleibt, als eine Familie ihr Zuhause verlässt. Aus Einsamkeit, Erinnerung und den Resten einer verschwundenen Welt entsteht eine leise Geschichte über Verlust, Geborgenheit und Fantasie.

Zum Abschluss am Samstag, 20. Juni, zeigt die französische Compagnie des Bestioles um 15 und 17 Uhr „Hippocampe“ für Kinder ab drei Jahren. Aus 900 Würfeln, sechs Holzstäben und drei Baumeisterinnen und Baumeistern wächst eine Welt aus Türmen, Wegen, Licht und Musik, die sich verändert, einstürzt und neu zusammensetzt. Was für die einen wie eine Unterwasserreise wirkt, kann für andere ein Flug in den Kosmos sein. Genau darin liegt die Stärke dieses Festivals: Es erklärt nicht alles, es öffnet Räume. Luaga & Losna heißt auch 2026: schauen und hören, fragen und staunen.