Der Bodensee als goldene Bühne

Ein vergoldetes Kiesschiff, ein Sextant zum Nordstern und Schiffe aus drei Ländern.
Bregenz Wenn sich am Donnerstag, 25. Juni, Schiffe aus Österreich, Deutschland und der Schweiz auf dem Bodensee zu einer Sternfahrt formieren, wird der See für einen Abend zur Bühne einer Inszenierung. Im Zentrum von „Cargo & Interface“, einem Projekt der Feldkircher Künstlerin Barbara Husar, steht ein 27 Meter langes Kiesschiff, das in eine goldene Kontaktfläche verwandelt wird. Aus Hard, Bregenz, Romanshorn und Lindau steuern die Schiffe auf diesen glänzenden Punkt im Wasser zu und machen den Bodensee, der drei Länder verbindet und ein Trinkwasserreservoir Europas ist, zum Resonanzraum für Fragen nach Orientierung, Natur und Begegnung.

Husar, die den See bereits mit den „Bregenzer Luftspielen“ 2020 und den „Romanshorner Luftspielen“ 2022 als poetischen Handlungsraum erschlossen hat, erweitert mit „Cargo & Interface“ ihre Arbeit an sozialen Skulpturen um eine nautische Setzung. Das vergoldete Kiesschiff wird zur Schnittstelle, Plattform und zum Zeichen. Auf ihm befindet sich ein Sextant mit einer 5,30 Meter langen Achse zum Nordstern. Damit rückt eines der ältesten Instrumente menschlicher Navigation in eine Gegenwart, in der Orientierung zunehmend von digitalen Systemen übernommen wird. Der Nordstern erscheint als archaischer Bezugspunkt, dessen nahezu unbewegliche Position seit Jahrhunderten Reisenden Richtung gab.
Wetter, Wind, Bewegung und Begegnung
„Ich verstehe Cargo & Interface als eine temporäre Konstellation, in der Infrastruktur, Naturraum und menschliche Orientierung neu lesbar werden“, sagt Barbara Husar. Der Sextant verweise auf eine Orientierung, die älter sei als jede digitale Infrastruktur. Darin bündelt sich der Gedanke des Projekts: Die Kunst aktiviert altes Wissen unter heutigen Bedingungen. Die Sternfahrt richtet sich symbolisch am Nordstern aus und vertraut zugleich auf Wetter, Wind, Bewegung und reale Begegnung.

Wetterabhängig soll über dem goldenen Schiff Husars soziale Skulptur „Euter“ erfahrbar werden, ein Heißluftballon in Form eines Kuheuters, der auf 35 Meter vergrößert ist und ein Volumen von 3000 Kubikmetern besitzt. Seit 2018 bewegt sich dieses Objekt durch Landschafts- und Stadträume Europas, überquerte die Alpen und schwebte über Wien, Berlin und den Bodensee. Als Himmelszeichen verweist es auf Fürsorge, Ernährung und die Abhängigkeit des Menschen von natürlichen Kreisläufen.
In „Cargo & Interface“ verbinden sich Schiff, Sextant und Euter-Ballon zu einer Choreografie auf dem Wasser und unter dem Himmel. Die künstlerische Idee trifft auf eine kulinarische Komposition von Paul Renner. Das Projekt versteht sich als soziale Skulptur, deren Form erst im Geschehen entsteht. Wenn die Schiffe aus drei Ländern auf das Kiesschiff zufahren, wird der See gelesen: als Speicher, Grenze, Verbindung und Spiegel.

Mit dabei am 26. Juni sind die MS Oesterreich ab Hard um 18.30 Uhr, die MS Stadt Bregenz ab Bregenz um 18.15 Uhr, die MS Säntis ab Romanshorn um 18.30 Uhr und die MS Konstanz ab Lindau um 18 Uhr. Die Realisierung ist wetterabhängig, Informationen und Online-Reservierungen gibt es unter husar.solar.