Lena Schätte gewinnt 50. Bachmann-Preis

Kultur / 28.06.2026 • 16:00 Uhr
Lena Schätte gewinnt 50. Bachmann-Preis
Bachmannpreisträgerin Lena Schätte arbeitete als Psychiatriekrankenschwester, bis sie 2020 ein Studium am deutschen Literaturinstitut Leipzig begann. APA/WOLFGANG JANNACH

“Der Text ist von existenzieller Wucht, er ist wichtig und gewichtig, er ist literarisch bedeutend”.

Klagenfurt Die 32-jährige Autorin aus Nordrhein-Westfalen begeisterte Jury und Publikum in Klagenfurt mit ihrem sensiblen Text über zwei übergewichtige Freundinnen, die sich als Außenseiterinnen durch das Hauptschul-Leben schlagen. Lena Schätte erzähle weder anklagend noch belehrend von Ausgrenzung. Sie setze ganz auf eine Sprache, “die in ihrer Schönheit und Schlichtheit unübertrefflich ist”, sagte Juror Thomas Strässle in seiner Laudatio.

Für ihre Erzählung mit dem Titel “Was wir tragen” erhielt Schätte nicht nur den mit 30.000 Euro dotierten Bachmann-Preis der Stadt Klagenfurt, sondern auch den Publikumspreis, der mit einem Schreibstipendium verbunden ist. Die Schriftstellerin zeigte sich überwältigt. “Es ist ein Fiebertraum”, sagte sie in einer ersten Reaktion.

“Ich fand es besonders schön, dass dieses Thema eine gebührende Aufmerksamkeit bekommt”, sagte sie danach über ihren Siegertext. Viele Menschen seien betroffen und von der Gesellschaft nicht gesehen, obwohl sie eigentlich sichtbar seien, meinte Schätte.

Frauen, Frauenkörper und weibliche Selbstbestimmung standen dieses Jahr auch bei weiteren Preisträgerinnen im Fokus: Die ungarische Poetin und Performancekünstlerin Kinga Toth gewann den Kelag-Preis in der Höhe von 15.000 Euro für ihren Text “OstblockMädl”, in dem sie sich mit Arbeitsmigrantinnen, Macht und Identität auseinandersetzt. Die österreichische Theaterautorin Magdalena Schrefel erhielt den 3sat-Preis (7.500 Euro) für ihre Geschichte “Kirschen, Herz mit Verband”, in der eine Ich-Erzählerin damit kämpft, über ihre Brustkrebserkrankung zu sprechen.

Der Deutschlandfunk-Preis (12.500 Euro) ging an Ozan Zakariya Keskinkilic. Der deutsche Autor und Politikwissenschaftler schilderte in seinem Beitrag “Vater ohne Sohn” die komplexe Beziehungswelt eines schwulen Mannes, der seinem Sohn deutlich weniger Aufmerksamkeit schenkt als seinem jungen Liebhaber.

Der Bachmann-Preis erinnert an die österreichische Lyrikerin und Prosaautorin Ingeborg Bachmann, die am 25. Juni 100 Jahre alt geworden wäre. Mit ihren Gedichten wie “Die gestundete Zeit” und Prosawerken wie “Malina” gilt sie als eine der wichtigsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts.