Merkwürdige Zeiten

Ein Theaterstück über Diktatur, Erinnerung und Verantwortung.
Bregenz Mit „Merkwürdige Zeiten“ legt der Vorarlberger Autor Willibald Feinig sein erstes Theaterstück vor. Am Donnerstag, 2. Juli 2026, um 19.30 Uhr wird das Buch zum Schauspiel im Theater Kosmos in Bregenz präsentiert.
Feinig richtet den Blick auf das Leben in einer Diktatur und wählt dafür die ehemalige DDR als Schauplatz. In 25 Bildern erzählt er von Menschen, die sich in einem System behaupten müssen, das Denken, Glauben, Sprache und Liebe unter Kontrolle bringen will. Deutschland ist geteilt. Pfarrer melden sich freiwillig für die Ostzone und bleiben. Manche lernen Widerständigkeit, auch gegenüber der eigenen Hierarchie. Einer Lehrerin wird ihr Eifer zur Falle; sie wird zum Spitzel. Ein Schriftsteller aus dem Westen, der zum Kommunisten geworden ist, kommt zur Kur in den Staat der Arbeiter und Bauern.
Reale Vorbilder
So entsteht ein Schauspiel über Ideologie, Anpassung, Verrat und Menschwerdung. „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“ lautet das Lebensmotto einer der Figuren. Obwohl „Merkwürdige Zeiten“ Fiktion ist, haben die Personen reale Vorbilder. Das Stück fragt danach, was unter Druck vom Menschen bleibt, welche Rolle Bücher als Lebensmittel spielen können und warum Denken und Liebe in einer Diktatur nie nur Privatsachen sind.
Zaborowski hebt im Vorwort Feinigs österreichische Außenperspektive hervor. Gerade der zeitliche und örtliche Abstand könne Genauigkeit ermöglichen, weil unmittelbare Betroffenheit fehle. Der Autor schaue in ein zunächst fernes, fremdes Land und nehme dadurch manches wahr, was vor Ort oder in Debatten an den Rand rücke. Feinig meidet vorschnelle Urteile und richtet den Fokus besonders auf die kirchliche Minderheit.

Der Abend verbindet kurze Lesung, Gespräch und historische Einordnung. Bei der Buchpräsentation liest Willibald Feinig einige der 25 Bilder. Auf dem Podium diskutieren Harald Walser, Historiker und Germanist, Urszula Pfister, gebürtige Polin und Gemeindeleiterin von St. Gallen-Heiligkreuz, sowie Jürgen Thaler, Leiter des Felder-Archivs, der den Abend moderiert. Walser nimmt zum Text und zur Herausforderung der „Wende“ Stellung, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nicht nur im Osten, sondern auch im Westen anstand.