VALIE EXPORT verabschiedet

Die bedeutende Künstlerin fand ihre letzte Ruhestätte am Wiener Zentralfriedhof.
Wien Die am 14. Mai verstorbene Performancekünstlerin VALIE EXPORT hat am Dienstag ihre letzte Ruhestätte in einem Ehrengrab der Stadt Wien am Zentralfriedhof gefunden. Die Trauerfeier wurde zu einer eindrucksvollen Würdigung einer Künstlerin, die die Kunstgeschichte weit über Österreich hinaus geprägt hat. Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler erinnerte an eine provokante, kluge und unverwechselbare Stimme, die gesellschaftliche Konventionen herausforderte und gerade deshalb notwendig war. Ihr Werk, so Kaup-Hasler, habe den Blick geschärft und eröffne weiterhin Räume für wichtige Debatten.
Einen besonderen Moment bildete ein eigens für den Anlass verfasster Text von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, den Kaup-Hasler verlas. Jelinek beschrieb VALIE EXPORT als Künstlerin, an der man nicht vorbeigehen konnte: Eine Kunstgeschichte ohne sie sei nicht denkbar. Auch wenn sie nun fehle, werde man nie wieder an ihr vorbeikommen. Persönliche Grußworte kamen von Marina Abramović, die EXPORT seit den 1970er-Jahren kannte. Sie nannte sie eine Kriegerin, furchtlos, stark und voller Entschlossenheit. Erst kürzlich hatten sich die beiden in Wien wieder getroffen, Tee getrunken, gelacht und ein baldiges Wiedersehen vereinbart.
Auch Sigrid Guggenberger, Vorstandsvorsitzende der VALIE EXPORT Stiftung, sprach über die jahrzehntelange Freundschaft und über die Sorge der Künstlerin um das, was bleiben würde. Noch einen Tag vor ihrem Tod habe sie über die Zukunft ihres Werks nachgedacht. Guggenberger versprach ihr, es zu schützen und sorgsam weiterzutragen. Weitere Abschiedsworte kamen von ihrem Neffen Norbert Wiener und von Monika Faber, Leiterin des Photoinstituts Bonartes, die EXPORTs präzises, zugleich weit ausgreifendes Denken würdigte.
Die musikalische Gestaltung unterstrich die persönliche Atmosphäre des Abschieds. Monika Dörfler spielte am Klavier Auszüge aus Keith Jarretts „Köln Konzert“. Am Ehrengrab, wo VALIE EXPORT neben dem Maler Herbert Brandl beigesetzt wurde, erklang schließlich das Wienerlied „Herrgott aus Sta“ von Karl Hodina, dargebracht von Peter Havlicek und Tini Kainrath. So blieb sichtbar, wie lebendig ihr Werk über den Tod hinaus wirkt.