Viele bunte Federn für La traviata

Insgesamt 160 fantasievolle Kopfbedeckungen schmücken die Darsteller beim Spiel auf dem See.
bregenz Im Februar haben sie angefangen, und sind gut vorangekommen. Doch ist noch immer viel zu tun, für “La traviata” auf der Seebühne und für “Die Ausflüge des Herrn Brouček” im Festspielhaus. Die Modistinnen Christina Pantermehl und Ronja Kern wissen genau, worauf es bei den von ihnen gefertigten Kopfbedeckungen ankommt.

Christina Pantermehl und Ronja Kern legen Wert darauf, dass man ihre Werke Kopfbedeckungen nennt. Denn um Hüte im konventionellen Sinn geht es bei dem nicht immer, was die beiden Modistinnen seit dem Februar in großer Zahl auf ihrem breiten Arbeitstisch in der Kostümabteilung der Bregenzer Festspiele anfertigen. Ein Großteil der Kopfbedeckungen für Leoš Janáčeks Oper “Die Ausflüge des Herrn Brouček” ist speziell für die im Mittelalter spielenden Szenen gedacht. Damit diese Stücke wie mit Schlamm benetzt wirken, werden sie von der Abteilung Kunstgewerbe aufwendig patiniert. Bei Janáčeks Oper kommt es übrigens zu einer Umbesetzung der Titelpartie: Der Tenor Daniel Brenna musste sich nach einer Verletzung einer unaufschiebbaren Knieoperation unterziehen und ist deshalb gezwungen, für zwei Monate alle Bühnenauftritte abzusagen. Die Titelrolle übernimmt Peter Hoare, der die Partie des Brouček bereits an renommierten Opernhäusern gesungen hat.
Eine Explosion an Fantasie
Glamourös dagegen sind die Kopfbedeckungen für Giuseppe Verdis La traviata – passend zu den reich mit Pailletten bestückten Kostümen. Diejenigen, die schon fertig sind, haben Christina Pantermehl und Ronja Kern in einem abgeschlossenen Raum hinter der Seebühne gelagert. Ganz im Stil der Zwanzigerjahre variieren die Formen von eng anliegenden Kreationen bis hin zu prachtvollen, voluminösen Modellen. Insgesamt sind 160 Kopfbedeckungen anzufertigen – für den Chor, für Sängerinnen und Sänger, und für die Tänzer, die dann auch lernen müssen, mit breitem Federkostüm durch die Bühneneingänge zu kommen. Nicht alle werden in der Modisterei der Bregenzer Festspiele hergestellt.

Angefangen hat es bei La traviata mit den Zeichnungen, die Carla Teti, die Kostümbildnerin, entworfenhat. In enger Abstimmung mit Kostümdirektion und Produktionsleitung wurden dann die Modelle und Materialien besprochen, Federn und Zubehör bestellt, und alles schließlich zu den aufwendigen Kopfbedeckungen verarbeitet. Am Schluss werden die Stücke dann noch präzise an den Kopf der jeweiligen Trägerin oder des jeweiligen Trägers angepasst. „Wir werden auch noch einen kleinen Workshop für die Dresserinnen machen, die für Kostümwechsel und Reparaturen verantwortlich sind“, sagt Christina Pantermehl.

Eine der zentralen Herausforderungen für die Modistinnen liegt darin, dass ihre Kopfbedeckungen Wind und Wetter standhalten müssen. Stoffe werden imprägniert, vor allem aber danach ausgewählt, dass sie wettertauglich sind. „Außerdem“, fügt Christina Pantermehl hinzu, „müssen sie leicht sein und sehr bequem. Und schließlich müssen die Ohren frei bleiben, damit die Darstellerinnen und Darsteller gut hören.“
