20 Sekunden Kunst aus dem Bregenzerwald

Mit „Into the Blue“ reflektiert Jennifer Dünser den Zusammenhang von technologischem und menschlichem Fortschritt.
Wien Mit „20 Seconds for Art“ bringen Infoscreen und KÖR Wien auch 2026 Kunst dorthin, wo sie vielen Menschen im Alltag begegnet: in die öffentlichen Verkehrsmittel. Die siebte Auflage des Kurzfilm-Wettbewerbs stand unter dem Thema „Der Mensch und die intelligente Maschine“ und griff damit eine Frage auf, die längst nicht mehr nur in Forschungslabors oder Science-Fiction-Erzählungen verhandelt wird. 91 Arbeiten wurden eingereicht, eine fünfköpfige Jury kürte die fünf besten Beiträge.
Zu den Gewinnerinnen zählt auch die aus dem Bregenzerwald stammende Jennifer Dünser. Ihr rasant geschnittener Film „Into the Blue“ blickt auf Werkzeuge zurück, die einst revolutionär wirkten und inzwischen selbstverständlich in den Alltag eingegangen sind. Gerade diese Verschiebung macht den Reiz der Arbeit aus: Dünser fragt nicht nur nach technologischem Fortschritt, sondern auch danach, was dieser mit dem Menschen macht. Ihr Kurzfilm regt zur Reflexion darüber an, ob jede technische Errungenschaft automatisch menschlichen Fortschritt bedeutet.
Neben „Into the Blue“ wurden „Gemeinsam im Tunnel“ von Emil Baumann, „Higher Five“ von Michael Heindl, „Das Ungreifbare und das Begreifen“ von Oliver Schürer sowie „Rob und Bob“ von Benjamin Heil, Elias Hönle, Thomas Keschl und Sebastian Voitl ausgezeichnet. Jeder der fünf Siegerfilme ist mit 1.000 Euro dotiert. Als besonderer Zusatzpreis kommt eine Reichweite hinzu, die Kurzfilmen sonst nur selten offensteht: Von 6. Juli bis 30. August 2026 sind die prämierten Arbeiten österreichweit auf mehr als 4.800 Infoscreens zu sehen – in Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt, Wels, Bregenz, Eisenstadt und Steyr.
Die Jury mit Cornelia Offergeld, Stefanie Paffendorf, Erich Prem, Nadim Samman und Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi bewertete die Einreichungen. Offergeld verweist auf die lange Faszination des Menschen für denkende künstliche Wesen. Was früher Stoff für Science-Fiction gewesen sei, dränge nun durch KI massiv in die Lebensrealität.
Auch Infoscreen -Geschäftsführer Sascha Berndl sieht in den Siegerfilmen mehr als Programminhalte für das Öffi-TV. Die täglich 938.000 Zuseherinnen und Zuseher würden mit Einordnungen, Visionen, Hoffnungen und Befürchtungen konfrontiert. Gerade die Frage, ob Maschinen wirklich intelligent seien, bleibe kontrovers. Die ausgezeichneten Filme reagieren darauf mit sehr unterschiedlichen Mitteln: humorvoll, poetisch, kritisch und pointiert.
So verlegt Emil Baumann in „Gemeinsam im Tunnel“ Beobachtungen aus dem öffentlichen Nahverkehr in die Natur. Michael Heindl macht in „Higher Five“ ausgerechnet die Hand zum Schauplatz des Scheiterns generativer KI. Oliver Schürer stellt in „Das Ungreifbare und das Begreifen“ die taktile Sensibilität des Menschen ins Zentrum. „Rob und Bob“ erzählt mit Witz von den Spannungen im Alltag von Mensch und intelligenter Maschine. Gemeinsam zeigen die Filme, wie viel in 20 Sekunden möglich ist: ein Gedanke, ein Bild, eine Irritation – und manchmal der Beginn einer größeren Debatte.