Künstler ohne :innen

Arbeiten von Manfred Egender, Richard Bösch, Christian Eisenberger, Egon Goldner und Markus Prachensky.
Bregenz In der Bregenzer Galerie Gregor K in der Römerstraße 4 steht der Sommer heuer im Zeichen von fünf männlichen Positionen der österreichischen Kunst. Unter dem bewusst pointierten Titel „Stadtsiegelträger Gregor Koller zeigt Künstler ohne :innen“ versammelt Koller Arbeiten von Manfred Egender, Richard Bösch, Christian Eisenberger, Egon Goldner und Markus Prachensky. Zu sehen ist die Ausstellung bis 31. August.

Andreas Marte
Der Titel ist auch als Kommentar zur Gegenwart zu verstehen. Während im Kulturbetrieb über Sichtbarkeit, Geschlechtergerechtigkeit und Sprache diskutiert wird, setzt Koller auf eine Auswahl, die sich demonstrativ auf männliche Künstler konzentriert. Im Vordergrund steht weniger die Abgrenzung als der Blick auf unterschiedliche Haltungen, Generationen und Arbeitsweisen.

Christian Eisenberger zählt zu den produktivsten österreichischen Künstlern der Gegenwart. Seine Arbeiten entstehen häufig im unmittelbaren Kontakt mit der Natur, in allen Jahreszeiten, draußen, unterwegs, mit einem wachen Blick für das Flüchtige. Oft bleibt am Ende kein dauerhaftes Objekt zurück, sondern eine fotografische Spur. Eisenberger dokumentiert seine Eingriffe, Arrangements und Aktionen mit dem Handy und überlässt sie anschließend wieder der Vergänglichkeit. Seine Kunst will nicht besitzen, sondern erscheinen und verschwinden.

Einen anderen Zugang verfolgt Richard Bösch. Der über 80-jährige Künstler denkt nicht an Rückzug. Die gezeigten Arbeiten sind aktuell und zeigen eine ungebrochene Auseinandersetzung mit Fläche, Linie und Farbe. Bösch interessiert sich für eine Bildordnung, in der alle Teile dieselbe Wertigkeit erhalten. Es geht nicht um Höhepunkte, nicht um ein Zentrum, sondern um horizontale und vertikale Linien, die sich verdichten, bis das Bild seine eigene Stimmigkeit gefunden hat. Nicht der Künstler allein entscheidet, wann ein Werk fertig ist, das Bild selbst müsse ihn, wie Bösch sagt, „anlachen“.
Schnee auf der Seele
Manfred Egender erweitert den klassischen Bildträger. Statt nur auf Leinwand zu arbeiten, verwendet er Kunststoff, auf dem Farbe von vorne und hinten aufgetragen werden kann. Dadurch entstehen Oberflächen, die matt und glänzend zugleich wirken. Seine Arbeiten tragen eine stille, fast eingefrorene Atmosphäre in sich. Begriffe wie „Schnee auf der Seele“ oder „gefrorene Geschichte“ beschreiben die poetische Spannung, in der Material, Licht und Erinnerung ineinandergreifen.

Mit Markus Prachensky ist einer der großen Namen der österreichischen Nachkriegskunst vertreten. Prachensky, der aus einer Künstler- und Architektenfamilie stammte und selbst Architektur und Kunst verband, steht für kraftvolle, gestische Malerei. Seine Werke bringen Bewegung, Farbe und Energie in den Raum. Dass Arbeiten von Prachensky nun in Bregenz gezeigt werden, versteht Koller als besonderen Akzent.

Eine Entdeckung ist Egon Goldner. Einst mit der Galerie Krinzinger verbunden, war er lange Zeit kaum öffentlich präsent. Koller besuchte ihn in Wien und konnte einige Blätter für die Ausstellung gewinnen. Diese Wiederbegegnung mit einem zurückgezogen lebenden Künstler verleiht der Schau eine persönliche Note.

So entsteht in der Galerie Gregor K ein sommerlicher Parcours durch verschiedene Temperamente. Vergängliche Naturkunst, strenge Flächenordnungen, poetische Materialexperimente, gestische Malerei und wiederentdeckte Zeichnungen treffen aufeinander. Der provokante Titel mag die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Entscheidend aber sind die Werke: Sie zeigen, dass künstlerische Präsenz aus Haltung, Konsequenz und der Fähigkeit entsteht, ein Bild, ein Material oder einen Augenblick ernst zu nehmen.
