Ein junger Österreicher lässt aufhorchen

Rey Gergov gehörte zu den prägenden Stimmen eines Konzerts, das den Blick in die Zukunft richtete.
Rheinfelden Ein Abschlusskonzert ist immer auch eine Momentaufnahme: Man hört nicht nur, was junge Musikerinnen und Musiker bereits können, sondern auch, wohin sie sich entwickeln könnten. Beim Abschlusskonzert der Solsberg Academy in der Kapuzinerkirche Rheinfelden war dieser Blick in die Zukunft reizvoll. Die Studierenden um Ivan Monighetti präsentierten ein Programm, das den Reichtum des Violoncellos ausleuchtete – von Bach über Brahms und Schostakowitsch bis zu Ligeti, Kodály, Piatti, Popper und Tschaikowsky. Es war ein Abend, der nicht auf bloße Leistungsschau hinauslief, sondern auf musikalische Persönlichkeiten aufmerksam machte.
Die Solowerke von Bach, Kodály und Ligeti stellen junge Cellistinnen und Cellisten unmittelbar frei: Ohne Orchester, ohne Ensemble, ohne Ausweichmöglichkeit müssen Ton, Atem, Rhythmus und musikalischer Wille ganz aus sich selbst heraus tragen. Die jungen Musikerinnen und Musiker überzeugten mit technischer Sicherheit, mehr noch mit Ernsthaftigkeit und dem Mut, Charakter zu zeigen.
Besonders im Gedächtnis blieb der junge Österreicher Rey Gergov, Jahrgang 2012. Dass ein Musiker in diesem Alter mit Brahms und Schostakowitsch antritt, ist für sich genommen schon bemerkenswert. Noch beeindruckender aber war, wie selbstverständlich Gergov diese Herausforderung annahm. Im Allegro vivace aus Johannes Brahms’ Sonate Nr. 2 F-Dur für Violoncello und Klavier, op. 99, zeigte er nicht nur Energie und Zugriff, sondern auch ein erstaunliches Gefühl für den großen Bogen. Brahms verlangt Wärme, Druck, sangliche Linien und kammermusikalisches Hören zugleich. Gergov fand in diesem Spannungsfeld eine Präsenz, die über jugendliche Bravour deutlich hinausging. Sein Ton hatte Kern, sein Spiel Drang, ohne sich in Lautstärke zu erschöpfen.
Noch markanter wurde sein Profil im Allegretto aus Dmitri Schostakowitschs erstem Cellokonzert Es-Dur, op. 107. Hier braucht es rhythmische Schärfe, innere Unruhe, kontrollierte Attacke und die Fähigkeit, die Ironie dieser Musik nicht zu glätten. Gergov brachte genau jene Mischung aus Wachheit und Entschlossenheit mit, die diesem Stück seine Spannung gibt. Man hörte einen jungen Interpreten, der nicht nur schwierige Passagen bewältigt, sondern bereits versteht, dass Virtuosität bei Schostakowitsch immer auch Ausdruck, Widerstand und nervöse Energie ist. Unterstützt von Alessandro Tardino am Klavier konnte Gergov seine Vorstellung klar entfalten.
Doch der Abend lebte nicht von einem Einzelauftritt allein. Emilie Richter setzte mit Kodálys Sonate einen kraftvollen Akzent, Yiqi Chen verband Bach, Piatti, Ligeti und Popper zu einem Panorama zwischen barocker Klarheit und moderner Zuspitzung. Luis Aracama zeigte Stilgefühl und Beweglichkeit, Keruixi Ma führte mit Servais und Chopin in eine lyrisch-virtuose Klangwelt, Matis Griso stellte sich mit Tschaikowskys Rokoko-Variationen einer Balanceaufgabe zwischen Eleganz und Glanz.
Einziger Wermutstropfen blieb die Wahl des Konzertsaals: Seine nüchterne Tristesse wollte nicht zu der Strahlkraft passen, mit der diese jungen Musikerinnen und Musiker den Abend erfüllten.