Venezianischer Glanz und Hamburger Wasser

Ein Konzertabend als Reise durch das Barock: Albinoni, Händel und Telemanns Wassermusik.
Bildstein Das Barockensemble der Wiener Symphoniker lädt am 2. August wieder in die Basilika Maria Bildstein und stellt ein Programm vor, das zwischen venezianischer Eleganz, höfischer Virtuosität und maritimer Klangfantasie changiert. Im Mittelpunkt steht der 275. Todestag von Tomaso Albinoni, dessen Name bis heute vor allem mit einem Werk verbunden wird: dem berühmten Adagio in g-Moll. Gerade dieses Stück birgt einen kleinen Musikkrimi, denn seine Urheberschaft ist bis heute umstritten. Die Auflösung erfährt das Publikum beim Konzert.
Dass Albinoni weit mehr war als der vermeintliche Komponist dieses Welthits, zeigt das Ensemble mit einer Sinfonia a quattro und dem Oboenkonzert Nr. 2 in d-Moll aus der Sammlung op. 9. Dieses Konzert zählt zu den schönsten Beiträgen des Barock für Oboe und Streicher. Als Solist ist Paul Kaiser zu erleben, Solo-Oboist der Wiener Symphoniker. Mit warmem Ton und stilistischer Erfahrung verspricht er eine eindrucksvolle Begegnung mit Albinonis melodischer Kunst.
Ein weiterer Bläsersolist der Wiener Symphoniker steht mit Manuel Gangl im Rampenlicht. Er spielt das Klarinettenkonzert Nr. 1 in A-Dur von Johann Melchior Molter, der als der erste Komponist der Musikgeschichte gilt, der ein Konzert für Klarinette und Orchester schrieb. Gangl, 1989 in Graz geboren, ist seit 2011 Es-, D- und zweiter Klarinettist der Wiener Symphonikeund hat sich besonders den hohen Klarinetten verschrieben.
Intimität und festlicher Glanz
Für einen persönlichen Akzent sorgt der neue Ensemble-Cellist Michael Vogt. Für seinen Einstand hat er sich Georg Friedrich Händels Concerto grosso op. 6 Nr. 6 in g-Moll gewünscht – passend zum Albinoni-Adagio ebenfalls in g-Moll. Händels Concerti grossi gehören zu den Höhepunkten des barocken Repertoires. Reizvoll ist der Wechsel zwischen einer kleinen Sologruppe aus zwei Violinen und Cello und dem vollen Orchestertutti. Aus diesem Dialog entsteht ein lebendiges Klangbild, in dem Intimität und festlicher Glanz einander begegnen.
Den Höhepunkt des Abends bildet Georg Philipp Telemanns „Wassermusik“, die Ouverturen-Suite „Hamburger Ebb und Fluth“. Telemann war 1721 Musikdirektor der fünf Hamburger Hauptkirchen geworden, machte sich aber auch mit öffentlichen Hauskonzerten einen Namen. Das sorgte für Beschwerden beim Rat der Stadt: Der Cantor führe zwar seine Musik auf, schaffe dabei aber „allerhand Unordnung“. Um die Obrigkeit gnädig zu stimmen, komponierte der gewitzte Musiker zur 100-Jahr-Feier der Hamburger Admiralität seine eigene Wassermusik. Anders als Händels berühmtes Werk wurde sie nicht im Freien, sondern beim Festmahl der Admiralität uraufgeführt.
Die Tänze der Suite entfalten ein mythologisches Panorama des Wassers: Die schlafende und erwachende Thetis, der verliebte Neptun, spielende Najaden, der stürmende Aeolus, Ebbe und Flut sowie die lustigen Bootsleute ziehen in charaktervollen Miniaturen vorüber. Unter der Leitung von Christian Birnbaum, der das Barockensemble seit 1999 führt, entsteht daraus ein Abend voller Esprit, Virtuosität und erzählerischer Kraft – barocke Klangkunst an einem besonderen Ort.