Liebe, Treue und ein gefährliches Spiel

Tobias Grabher und die Camerata Musica Reno widmen sich Mozarts Komödie „Così fan tutte“.
Bregenz Was ist Treue? Was ist Spiel? Und wie sicher kann man sich der eigenen Gefühle sein? Mit diesen Fragen kehrt die Camerata Musica Reno im Sommer 2026 auf die Opernbühne zurück. Am Freitag, 10., Samstag, 11., und Sonntag, 12. Juli, jeweils um 19 Uhr, bringt das junge Kammerorchester Wolfgang Amadeus Mozarts „Così fan tutte“ ins Theater Kosmos nach Bregenz.
Die Inszenierung wurde eigens für die räumlichen Möglichkeiten des Theater Kosmos entwickelt. Statt großer Opernmaschinerie setzt die Produktion auf Konzentration, Nähe und musikalische Präzision. Sängerinnen, Sänger und Orchestermusiker teilen sich den Bühnenraum, die Handlung entfaltet sich rund um das Orchester. Dadurch rückt Mozarts ebenso geistreiche wie abgründige Komödie über Liebe, Verführung, Verwechslung und menschliche Psychologie ganz nah an die Zuschauerinnen und Zuschauer heran. Oper wird als lebendiges Kammerspiel gezeigt, in dem jede Regung, jede musikalische Wendung und jede komische Zuspitzung unmittelbar wirkt.

Eine besondere Stärke der Produktion ist die Besetzung. Die Solopartien übernehmen junge Sängerinnen und Sänger, die bereits an renommierten Häusern und Festivals engagiert sind. Ekaterina Spivakovskaia, Ensemblemitglied am Musiktheater Aachen, singt die Fiordiligi. Laura Hemingway, unter anderem in der Kammeroper München engagiert, übernimmt die Dorabella. Andrew Turner aus dem Opernstudio der Wiener Staatsoper ist als Ferrando zu erleben, Tobias Lusser von der Oper Köln als Guglielmo. Die Partie des Don Alfonso übernimmt Clemens Seewald, der unter anderem beim Festival Heidelberger Frühling engagiert war. Gemeinsam mit den jungen Musikerinnen und Musikern der Camerata Musica Reno entsteht ein Musiktheaterabend, der künstlerische Frische, Spielfreude und hohe musikalische Qualität verbinden soll.
Eine zentrale Rolle kommt auch Konzertmeister David Kessler zu. Er ist fixes Mitglied im Orchester der Wiener Staatsoper und zählt zu den profiliertesten jungen Geigern Österreichs. Als musikalischer Impulsgeber prägt er die Verbindung zwischen Dirigent, Orchester und Bühne maßgeblich mit. Schauspielerin Sabine Lorenz führt als Erzählerin mit eigens gestalteten Texten durch die Handlung. Für die szenische Umsetzung zeichnet Eli Eisenmann verantwortlich, der mit minimalistischer Regiesprache und überraschenden Einfällen eine zeitgemäße Lesart des Werkes entwickelt hat.
Begehren, Zweifel, Eifersucht
„Dass der Così-Stoff auch 236 Jahre nach seiner Uraufführung nichts von seiner Aktualität verloren hat, ist bemerkenswert“, sagt Dirigent Tobias Grabher, der 2025 sein Dirigierstudium mit einem Diplomkonzert im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins abgeschlossen hat. „Mozart zeichnet die Vielschichtigkeit menschlicher Gefühle mit einer Genialität nach, die bis heute berührt und begeistert.“ Gerade in der kompakten Fassung für das Theater Kosmos soll sichtbar werden, wie genau Mozart und sein Librettist Lorenzo Da Ponte die Mechanismen von Begehren, Zweifel, Eifersucht und Selbsttäuschung beobachten. Hinter der leichten Oberfläche der Komödie steht ein scharfes Spiel mit Rollenbildern und Erwartungen.
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Die Camerata Musica Reno hat sich seit ihrer Gründung als Plattform für herausragende junge Musikerinnen und Musiker etabliert. Bereits die erste Produktion, Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“, sorgte 2021 für Aufmerksamkeit. Es folgten Konzerte, Musiktheaterprojekte und genreübergreifende Arbeiten, darunter erfolgreiche Kooperationen mit dem Schriftsteller Michael Köhlmeier. Nach Auszügen aus Beethovens „Fidelio“ im Jahr 2024 widmet sich das Ensemble mit „Così fan tutte“ nun wieder einer Opernproduktion.