Zwischen Spiegel, See und Mondreise

Kultur / 08.07.2026 • 16:16 Uhr
Zwischen Spiegel, See und Mondreise
Mit „La traviata“ und „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ setzen die Bregenzer Festspiele auf zwei höchst unterschiedliche Opernabende. philipp steurer

Die Bregenzer Festspiele feiern ihr Jubiläum mit Verdis „La traviata“ und Janáčeks „Die Ausflüge des Herrn Brouček“.

Bregenz Zum 80. Jubiläum setzen die Bregenzer Festspiele auf Kontrast und große Bilder. Mit Giuseppe Verdis „La traviata“ auf der Seebühne und Leoš Janáčeks „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ im Festspielhaus treffen zwei Opern aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten: hier das Drama um Liebe und gesellschaftlichen Druck, dort eine Groteske über Bequemlichkeit und die Angst vor dem Neuen. Vom 22. Juli bis 23. August umfasst das Programm rund 80 Veranstaltungen; insgesamt stehen 228.000 Karten zur Verfügung. „La traviata“, die an 28 Abenden gespielt wird, ist bereits seit Ostern ausverkauft.

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Die Proben zu „La traviata“ laufen derzeit auf Hochtouren. philipp steurer

Der Kaufmännischer Direktor Michael Diem verbindet die Vorfreude mit Respekt vor der Leistung auf und hinter der Bühne: „Unglaublich, was unsere Mitwirkenden und Mitarbeiter hier geleistet haben – mitten in der Sonne, mit der Hitze im Rücken und dem Wasser vor sich zu proben, ohne zu lamentieren. Das ist einfach sensationell.“

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Für Intendantin Lilli Paasikivi ist dieser Moment mehr als ein organisatorischer Meilenstein: „Natürlich ist es ein besonderer Moment, wenn man eine Produktion so lange geplant und vorbereitet hat und dann endlich das Leading Team und die Künstlerinnen und Künstler hier sind und die Proben auf der Bühne beginnen. Das ist für uns ein echter Glücksmoment.“

Intime Liebesgeschichte

Verdis „La traviata“ ist in Bregenz erstmals auf der Seebühne zu erleben. Regisseur Damiano Michieletto sucht die Spannung zwischen großer Geste und intimer Tragödie. „Es gibt die Partyszenen, die groß, opulent und prachtvoll sind – perfekt für die Seebühne. Zugleich erzählt das Werk aber auch eine sehr intime Liebesgeschichte.“ Im Zentrum steht ein 28 Meter hoher Spiegel, der Violettas Schicksal sichtbar macht: „Nach außen sehen alle in ihr die glamouröse Frau, viele glauben, sie führe ein wunderschönes Leben. Doch sie selbst weiß, dass sie krank ist, dass sich ihre Liebe nicht erfüllen wird, dass sie nicht von einer Zukunft träumen kann und ihr Leben gewissermaßen direkt vor ihren Augen zerbricht.“

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Das Bühnenbild von Paolo Fantin ist als Skulptur im See gedacht. Der Spiegel wird dabei zum zentralen Zeichen der Inszenierung: „Er ist einerseits ein Bild der Selbstbetrachtung, andererseits ein Symbol für Fragilität und Zerbrechlichkeit.“ Auch für Marjukka Tepponen, die Violetta singt, verlangt diese Bühne Außergewöhnliches. „Für die Sängerinnen und Sänger ist eine Oper auf dieser Bühne beinahe Extremsport“, sagt sie. Was im Opernhaus zwei Schritte seien, werde hier „schnell einmal 15, 16 oder sogar 20 Schritte“.

Gegenwartsnähe

Einen Tag nach der „Traviata“-Premiere folgt am 23. Juli im Festspielhaus Janáčeks „Die Ausflüge des Herrn Brouček“. Für Regisseur Yuval Sharon ist die Oper weit mehr als eine groteske Fantasie. Sie erzählt von einem Menschen, der es sich in seiner eigenen Welt bequem gemacht hat und jeder Zumutung ausweicht, die ihn verändern könnte. „Janáčeks Satire ist heute vielleicht aktueller denn je. Brouček ist ein Mensch ohne Neugier, der in seiner eigenen kleinen Welt lebt“, sagt Sharon. Gerade darin erkennt er eine Gegenwartsnähe: „Wir alle kapseln uns heute ein Stück weit in unseren Meinungen und den kleinen Bildschirmen ein, die wir ständig bei uns tragen.“ Im zweiten Teil werde Brouček sogar mit der eigenen Geschichte konfrontiert und bleibe ihr dennoch fremd: „Seine eigenen Wurzeln sind ihm so fremd wie Außerirdische.“

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Gemeinsam mit Bühnen- und Kostümbildner Jon Bausor entwirft Sharon dafür eine Bildwelt, die sich an Dadaismus und absurdem Theater orientiert. Traum und Wirklichkeit, Geschichte und Fantasie greifen ineinander und öffnen einen Raum, in dem Janáčeks satirischer Blick auf menschliche Trägheit, Selbstzufriedenheit und gesellschaftliche Abschottung seine Schärfe entfalten kann.

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