Björk im Klangkosmos der Stella

Kultur / 10.07.2026 • 12:45 Uhr
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Mit „ConSTELLAtion plays the Music of Björk“ gelang ein mutiger und atmosphärisch dichter Konzertabend. Andreas Marte

Mit „ConSTELLAtion plays the Music of Björk“ gelang ein kraftvoller und vielschichtiger Konzertabend.

Feldkirch Björks Musik ist ein eigenes Universum. Sie entzieht sich einfachen Kategorien, pendelt zwischen Pop, Elektronik, Avantgarde, Naturlaut, Verletzlichkeit und Ausbruch. Wer sich an diese Songs wagt, braucht mehr als handwerkliches Können. Es braucht die Bereitschaft, sich auf eine Klangsprache einzulassen, die nie bloß schön sein will. Genau das gelang am Donnerstagabend im Alten Hallenbad beim Poolbar Festival eindrucksvoll: Unter dem Titel „ConSTELLAtion plays the Music of Björk“ präsentierten Studierende und Lehrende der Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik ein Konzertprojekt, das Björks Musik neu interpretierte.

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Studierende und Lehrende der Stella Musikhochschule verwandelten das Alte Hallenbad in einen schillernden Konzertsaal.Andreas Marte

Schon der Blick auf die Bühne machte deutlich, dass hier kein gewöhnlicher Tribute-Abend bevorstand. 24 Mitwirkende füllten den Raum: ein fünfköpfiges Percussion-Ensemble, ein Streichquartett, fünf Bläser, Harfe, Keyboards, E-Bass, Kontrabass und fünf Sängerinnen. Künstlerisch geleitet wurde das Projekt von Florian King, der nach dem erfolgreichen Radiohead-Projekt des Vorjahres nun Björks Werk ins Zentrum rückte. Dazu kamen Lehrende, die die einzelnen Gruppen coachten und an den Arrangements mitarbeiteten. Der gemeinsame Ausgangspunkt war das Musiklabor des Poolbar Generators, wo bereits im Februar in Hohenems experimentiert, entwickelt und konzipiert wurde. Das Ergebnis konnte sich hören und sehen lassen.

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Denn auch visuell hatte sich das Ensemble im wahrsten Sinne des Wortes in Schale geworfen. Die Musikerinnen und Musiker traten in sehr unterschiedlichen Kostümen auf, die das Konzert zusätzlich in eine theatrale, leicht entrückte Atmosphäre tauchten. Das passte hervorragend zu Björks Welt, in der Körper, Natur, Technik und Emotion stets miteinander verschmelzen. Nichts wirkte aufgesetzt, vieles war verspielt, manches geheimnisvoll und immer blieb die Musik im Zentrum.

„Army of Me”

Das Programm trug den Titel „Human Behaviour“, benannt nach Björks frühem, ikonischem Song. Mehrere Stücke stammten aus dem Debütalbum der isländischen Künstlerin. Besonders reizvoll war dabei, wie die Arrangements mit der großen akustischen Besetzung arbeiteten. Wo man bei Björk oft elektronische Texturen erwartet, entstanden an diesem Abend organische Klangbilder: Bläser schoben sich kraftvoll in den Raum, Streicher öffneten fragile Zwischenräume, die Harfe setzte schimmernde Akzente, während Percussion und Bass das Ganze immer wieder erdeten. In „Army of Me“ wurde die markante Basslinie von echten Pauken getragen – eine starke Idee, die dem Stück eine wuchtige, fast archaische Kraft verlieh.

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Projektleiter Florian King und Poolbar-Chef Herwig Bauer.Andreas Marte

Überhaupt war dieser Abend dort am überzeugendsten, wo er nicht versuchte, Björks Originalklang zu imitieren. Die Musik wurde rockig, jazzig, rhythmisch drängend, zugleich aber immer wieder von jenen mystischen, schwebenden Björk-Momenten durchzogen, die ihre Songs so unverwechselbar machen. Die große Besetzung eröffnete Möglichkeiten, die eine klassische Band kaum hätte herstellen können. Jedes Instrument bekam seinen Platz, ohne dass der Gesamtklang überladen wirkte. Vielmehr entstand ein dichtes, lebendiges Geflecht, in dem sich Energie und Zartheit die Waage hielten.

Eine besondere Herausforderung lag im Gesang. Björks Stimme ist kein einfaches Vorbild, sondern ein eigenes Ausdruckssystem zwischen Flüstern, Schreien, kindlicher Direktheit und feinsten Nuancen. Die Sängerinnen, die aus der klassischen Ausbildung kommen, stellten sich dieser Aufgabe mit bemerkenswerter Offenheit. Sie imitierten nicht, sondern suchten nach eigenen Wegen in diese extreme, fragile und körperliche Musik. Dabei entstanden starke Momente: verletzlich, fordernd, manchmal rau, manchmal fast schwebend.

Dass Lehrende und Studierende hier gemeinsam auf der Bühne standen, war mehr als ein schönes pädagogisches Modell. Man spürte die Freude an der gemeinsamen Arbeit, den Rückhalt im Ensemble und die Lust, sich mit etwas Ungewohntem auseinanderzusetzen. „Human Behaviour“ wurde so zum Prinzip des Abends: ein Konzert über Neugier, Widerspruch, Risiko und Zusammenklang.