Philosophie im Widerstreit der Gegenwart

Kultur / 14.07.2026 • 07:01 Uhr
Philosophie im Widerstreit der Gegenwart
Die Intendanten des Philosophicums Lech, Konrad Paul Liessmann mit Barbara Bleisch.KIRSTIN TOEDTLING

Die Shortlist für den Tractatus 2026 zeigt, wie breit philosophische Essayistik heute denken kann.

lech Der Tractatus des Philosophicum Lech zählt zu den wenigen Preisen, die der philosophischen Essayistik gewidmet sind. Nun steht fest, welche sechs Bücher 2026 auf der Shortlist stehen. Wer die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung erhält, wird Anfang September bekannt gegeben. Die Verleihung findet am 25. September im Rahmen des Philosophicum Lech statt.

Ausgewählt wurde die Liste von einer dreiköpfigen Jury, der seit 2023 die Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin und Essayistin Daniela Strigl, die Philosophin, Kulturjournalistin und Publizistin Catherine Newmark sowie der Literaturkritiker und Autor Ijoma Mangold angehören. Den Vorsitz führt Konrad Paul Liessmann, der nicht stimmberechtigt ist und mit Barbara Bleisch die Intendanz des Philosophicums innehat.

Nominiert sind Andreas Dorschel mit „Die Welt verändern. Poetik des Manifests“, Maria-Sibylla Lotter mit „Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild“, Philip Manow mit „Spaltungslinien. Europas Parteiensysteme und die Dekonsolidierung des Nationalstaats“, Richard Schuberth mit „Vom Antisemitismus, der keiner sein will“, Martin Warnke mit „Large Language Kabbala: Eine kleine Geschichte der Großen Sprachmodelle“ sowie Stefan Weidner mit „Yoga oder Die sanfte Eroberung des Westens durch den Osten“.

Gegenwartsbezug und Eigenständigkeit

Damit bildet die Shortlist ein breites Spektrum aktueller Debatten ab. Es geht um Manifeste und Verwundbarkeit, um Europas Parteiensysteme, Antisemitismus, künstliche Intelligenz und die Kulturgeschichte des Yoga. Genau in dieser Verbindung aus Gegenwartsbezug, Eigenständigkeit und sprachlicher Form liegt der Anspruch des Tractatus.

Der Preis wurde auf Anregung von Michael Köhlmeier vom Verein Philosophicum Lech ins Leben gerufen und wird heuer zum achtzehnten Mal vergeben. Prämiert werden Essays oder essayistisch orientierte Sachbücher, die philosophische Fragen einer breiteren Öffentlichkeit verständlich machen und zugleich einen Beitrag zu einer über das Fach hinausreichenden Debatte leisten. Besonders berücksichtigt werden Originalität, sprachliche Gestaltung und Relevanz des Themas.

Das Philosophicum Lech findet vom 22. bis 27. September unter dem Titel „Betreutes Denken. Die neue Lust an der Unmündigkeit“ statt. Erwartet werden Vortragende aus Philosophie, Sozial- und Kulturwissenschaften und benachbarten Disziplinen.