Mit Leichtigkeit gegen die Schwere

Kultur / 15.07.2026 • 12:50 Uhr
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Stefan Dünser, Martin Schelling, Goran Kovačević und Martin Deuring sind “Die Schurken”.Andreas Marte

„Die Schurken“ mit einem Plädoyer für Zuversicht zwischen Klassik, Tango und Filmmusik.

Feldkirch Mit “La vita è bella” präsentierten “Die Schurken” in der Feldkircher Schattenburg ein Konzert, das seinem Titel auf berührende Weise gerecht wurde: eine Liebeserklärung an das Leben – mit all seiner Schönheit, seiner Traurigkeit und seiner Hoffnung.

Der Abend begann mit Henry Purcells Lamento „When I am laid in Earth“ und Claude Debussys spielerischem „Golliwogg’s Cakewalk“. In seiner Begrüßung brachte Martin Deuring den Gedanken des Programms auf den Punkt: Auch in unserer Zeit gebe es genügend Schönes und Zuversichtlichmachendes, und genau das lasse sich in der Musik finden. Es war ein Satz, der den roten Faden des Abends bildete.

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Schnell wurde deutlich, warum Martin Schelling (Klarinette), Stefan Dünser (Trompete), Goran Kovačević (Akkordeon) und Martin Deuring (Kontrabass) seit zwei Jahrzehnten zu den originellsten Ensembles des Landes zählen. Jeder verfügt über solistische Qualitäten, doch ihre eigentliche Stärke liegt im gemeinsamen Musizieren. Sie hören einander zu, reagieren mit großer Selbstverständlichkeit und entwickeln daraus einen Klang, der ebenso präzise wie lebendig wirkt.

Das Publikum im Rittersaal erlebte kein bloßes Aneinanderreihen von Musikstücken, sondern einen sorgfältig komponierten Konzertabend. Das Programm führte mühelos von Astor Piazzollas leidenschaftlichen Tangos zu Dmitri Schostakowitschs bittersüßem Walzer, von barocker Ausdruckskraft zur italienischen Filmmusik, streifte Volksmusik ebenso wie Balkanklänge und verlor dabei nie seinen inneren Zusammenhang. Alles wirkte selbstverständlich, nichts bloß effektvoll aneinandergereiht. Gerade in dieser Leichtigkeit lag die Kunst des Abends.

Auftragskomposition

Einen besonderen Akzent setzte „Así es la vida“, ein eigens für die Schurken komponiertes Werk des jungen kolumbianischen Komponisten und Flötisten Juan Carlos Díaz Bueno. Er beschreibt den kreativen Prozess als das Säen eines Samens, der mit Geduld, Ruhe und Liebe wächst – ein Bild, das sich nahtlos in das Grundthema des Konzerts einfügte und den Blick auf das Schöne und Hoffnungsvolle nochmals unterstrich.

Zu den bewegendsten Momenten gehörte Piazzollas „Rio Sena“, das mit großer Intensität und feinem Gespür für Spannung gestaltet wurde. Ebenso berührte Piovanis Titelmusik aus „La vita è bella“, die nach all den unterschiedlichen Klangfarben wie ein stilles Resümee des Abends wirkte: schlicht, menschlich und voller Hoffnung.

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Im Rittersaal der Schattenburg spannten „Die Schurken“ den Bogen von Barock bis Filmmusik.Andreas Marte

Musikalisch überzeugte das Quartett durch Genauigkeit, Spielfreude und feines Zusammenspiel. Martin Schellings Klarinette zeigte einen warmen, gesanglichen Ton, Stefan Dünsers Trompete konnte ebenso strahlen wie jazzig aufblühen. Goran Kovačević entlockte seinem Akkordeon eine große Farbenvielfalt, während Martin Deuring seinem Kontrabass weit mehr als eine Begleitrolle verlieh.

In der Schattenburg wurde aus „La vita è bella“ weit mehr als ein gelungener Kammermusikabend. Die Schurken erinnerten daran, dass Musik Trost spenden, Menschen verbinden und den Blick auf das Schöne schärfen kann. Ein leiser, kluger und überaus menschlicher Konzertabend, dessen Wirkung weit über den letzten Applaus hinausreichte.