Richard Galliano spielt auf Sizilien allein

Dem Sinfonieorchester Sizilien war es zu heiß und verzichtete auf den Auftritt.
Rom Die extreme Hitze auf Sizilien hat Konsequenzen: Wegen der hohen Temperaturen und der starken Luftfeuchtigkeit verzichtete das Sinfonieorchester Siziliens auf seinen Auftritt in der sizilianischen Stadt Mazara del Vallo. Der französische Akkordeonist Richard Galliano entschied sich jedoch, allein auf die Bühne zu gehen und das Publikum mit einem Solo-Auftritt zu unterhalten.
Das Konzert im ehemaligen Jesuitenkolleg der sizilianischen Stadt sollte ursprünglich mit dem von Fayçal Karoui dirigierten Orchester stattfinden. Gemeinsam mit Galliano war ein musikalischer Abend geplant. Die Orchestermusiker entschieden sich nach Angaben der Veranstalter jedoch wegen der schwierigen Bedingungen gegen den Auftritt. Aus dem Publikum waren daraufhin Pfiffe zu hören.
Der 75-jährige Galliano ließ sich davon nicht abschrecken und trat trotzdem auf. Der Musiker entschied sich für ein Soloprogramm und spielte vor den anwesenden Zuschauern. Die Kulturbeauftragte von Mazara del Vallo, Germana Abbagnato, würdigte den Auftritt des Franzosen. Galliano habe mehr getan, als nur ein Konzert zu geben, und der Stadt eine musikalische Darbietung auf höchstem Niveau geschenkt. Er habe gezeigt, dass große Künstler das Publikum in den Mittelpunkt stellten und auch schwierige Situationen in besondere Momente verwandeln könnten.
Richard Galliano zählt zu den bedeutendsten Akkordeonisten der Gegenwart. Der 1950 in Cannes geborene Franzose erhielt als Kind Unterricht von seinem Vater Lucien, selbst Akkordeonist. Am Konservatorium von Nizza studierte er Harmonielehre, Kontrapunkt und Posaune. Früh suchte Galliano nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten für ein Instrument, das im Jazz lange unterschätzt wurde. Wichtige Anregungen erhielt er von Astor Piazzolla, dessen Verbindung von Tango, Klassik und Moderne ihn nachhaltig prägte. Mit seinem „New Musette“-Stil erneuerte Galliano die französische Musette-Tradition und führte sie mit Jazz, Tango und klassischer Musik zusammen. Seine Virtuosität wirkt kaum bloß technisch: Gallianos Spiel lebt von warmer Klanggebung, rhythmischer Beweglichkeit und melodischer Fantasie. Er arbeitete mit Chet Baker, Ron Carter, Michel Petrucciani und Jan Garbarek zusammen und veröffentlichte mehr als 70 Alben.