Bayreuth stellt sich der eigenen Geschichte

Kultur / 26.07.2026 • 13:17 Uhr
Bayreuth stellt sich der eigenen Geschichte

Zum 150-jährigen Bestehen setzen die Festspiele ein Zeichen gegen Rechtsruck und Verharmlosung.

Bayreuth Mit einem Festakt haben die Bayreuther Festspiele am Samstag ihr 150-jähriges Bestehen begangen. Festspielleiterin Katharina Wagner nutzte das Jubiläum für eine Stellungnahme gegen Rassismus, Chauvinismus und eine Verharmlosung der Geschichte. Gerade wegen der engen Verknüpfung ihrer Familie mit dem NS-Regime gelte es, einem Rechtsruck in Politik und Gesellschaft entgegenzutreten. Die Festspiele seien nie von ihrer Zeit losgelöst gewesen, sagte die Urenkelin Richard Wagners. Deshalb müsse die Tradition ernst genommen werden, ohne sie zu verklären.

Auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz erinnerte an die problematischen Seiten der Festspielgeschichte und an Richard Wagners Antisemitismus. Mit einem Zitat von Thomas Mann empfahl er, Wagners Musik zu genießen, aber nicht ohne Misstrauen. Eine Absage oder ein „Canceln“ des Komponisten sei keine Lösung. Notwendig sei vielmehr eine kritische Auseinandersetzung, wie sie in Bayreuth inzwischen geführt werde.

Überschattet worden war das Jubiläum im Vorfeld von Unstimmigkeiten um die zunächst abgesagte Gedenkveranstaltung „Verstummte Stimmen“ für verfolgte jüdische Musiker. Katharina Wagner entschuldigte sich bei Michel Friedman, der seine Ausladung öffentlich gemacht hatte. Sie sprach von Fehlern, für die die Festspiele Verantwortung trügen. Vor dem Festakt begrüßten Wagner und Friedman die Gäste gemeinsam am Eingang des Festspielhauses. Die Gedenkveranstaltung mit einer Rede Friedmans war für den zweiten Festspieltag vorgesehen.

In ihrer Festrede richtete Nike Wagner, Cousine der Festspielleiterin, den Blick auf die Zukunft. Sie sprach von einem endgültigen Übergang vom Familien- zum Staatsbetrieb. Bund und Land hätten inzwischen so viel Mitspracherecht, dass das familiäre Element der Festspiele zunehmend verloren gehe. Nur die künstlerische Leitung liege noch in den Händen der Familie.

Musikalischer Mittelpunkt war Ludwig van Beethovens neunte Symphonie unter Christian Thielemann, dessen Dirigat großen Beifall erhielt. Auf dem roten Teppich zeigte sich Prominenz. Neben Merz kamen Angela Merkel, Markus Söder, Cem Özdemir und Mario Voigt. Den stärksten Applaus der Besucher erhielt die langjährige Bayreuth-Stammgästin Merkel.