Triumphmarsch ohne Trompeten

Kultur / 27.07.2026 • 14:44 Uhr
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Christoph Stradner, Erik Umenhoffer, Bence Temesvári, Alexandra Ströcker, Anna Nagy, Leopold Behrens, Maria Grün und Primož Zalaznik. Bregenzer Festspiele / Anja Köhler

Die „Acht Cellisten der Wiener Symphoniker“ bezauberten im Seestudio.

Bregenz War es 2025 – passend zum „Freischütz“ – das Hornensemble, so trat letzten Samstagabend eine andere Kammermusikformation des Orchesters im Rahmen der Reihe „Wiener Symphoniker ganz persönlich“ vor das Publikum: die „Acht Cellisten der Wiener Symphoniker“, die seit 1980 bestehen und seit 2005 in überwiegend neuer, verjüngter Besetzung auftreten. Die interessanten Möglichkeiten, die eine solche Besetzung bietet, haben Christoph Stradner, Erik Umenhoffer, Bence Temesvári, Alexandra Ströcker, Anna Nagy, Leopold Behrens, Maria Grün und Primož Zalaznik in ihrem abwechslungsreichen Programm mit viel Spielfreude und musikalischer Raffinesse vermittelt; in der Solistenrolle wechselten sich einige Mitglieder ab.

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Bregenzer Festspiele / Anja Köhler

Als Auftakt erklang die Ouvertüre zur heurigen Seeoper „La traviata“ in einer Bearbeitung durch James Barralet, auch als Hommage an die Intendantin Lilli Paasikivi, die dem Konzert beiwohnte. Das dreifache Pianissimo zu Beginn des Adagios war zwar nicht ganz so leise wie in der Interpretation durch das ganze Orchester bei der Festspieleröffnung, aber in der Kantilene kamen die gesanglichen Qualitäten des Solocellos, gespielt vom Ensembleleiter Christoph Stradner, berückend schön zur Geltung. Die charmante Moderatorin Maria Grün, die selbst im Ensemble mitspielt, wies darauf hin, dass das Cello die ganze Bandbreite der menschlichen Stimme, vom Bass bis zum Sopran, umfasst, das Ensemble also sozusagen „ein Chor mit Holzkorpus und Stachel“ sei. Dann folgte etwas Außergewöhnliches: Romed Wieser, ein ehemaliges Ensemblemitglied, hat aus Melodien der Oper „Manon Lescaut“ von Puccini eine Art Monodrama geschaffen, für Sprechstimme und acht Celli, dessen dramatischer Verlauf von der Moderatorin und den Musikern vom spritzigen Beginn an über leidenschaftliche Aufwallungen bis zum erlösenden Schluss abwechslungsreich dargeboten wurde. Und wer weiß – vielleicht nimmt Lilli Paasikivi den Tipp auf, diese Oper 2030 auf dem See zu spielen.

Schmetternde Trompetenfanfaren

Ein Höhepunkt wurde die Nr. 5 aus den „Bachianas brasileiras“ von Heitor Villa-Lobos, diese Mixtur aus Anklängen an Bach‘sche Melodien und brasilianische Folklore, im Original für Sopran und Cellooktett komponiert. Die junge finnische Sopranistin Emma Kajander (man wird sie in „Passion of the Common Man“ in einer der Hauptrollen hören) betörte mit ihrer erotisch aufblühenden Stimme von Anfang an: in der Vokalise im Dialog mit dem ebenso klangvollen Solocello, dann in der romantischen Cantilena und dem schnellen Martelo. Einzig in den vorderen Reihen des intimen Seestudios war die Lautstärke etwas zu hoch.

Im Programmheft steht, dass das Ensemble durch die neue Instrumentierung auch „unbekannte Dimensionen vermeintlich bekannter Werke“ freilegen möchte. Das ist bei Verdis berühmten Triumphmarsch aus „Aida“ (Arrangement James Barralet) verblüffend gut geglückt: Statt martialisch klang das Stück ohne schmetternde Trompetenfanfaren zwar immer noch kraftvoll, aber streckenweise auch fast lyrisch und gar nicht militärisch. Den Schlusspunkt setzte ein nordischer Komponist: Sibelius‘ „Valse triste“, von Stradner selbst arrangiert, klang durchsichtig und elegisch, bis zum filigranen Flageolett-Schluss. Das begeisterte Publikum erklatschte zwei Zugaben: „Yesterday“ von den Beatles und den Czárdás von Vittorio Monti, bei dem sich die beiden ungarischen Solocellisten Umenhoffer und Temesvári ein „Czárdásduell“ lieferten.

 Ulrike Längle