Lieder als Reise durch Sprachen und Zeiten

Das Duo De Grazia verband unterschiedliche musikalische Traditionen zu einem stimmigen Ganzen.
bregenz Unter dem Titel „Lieder ohne Grenzen“ gestaltete das Duo De Grazia mit Veronika Dünser, Mezzosopran, und Luca De Grazia am Klavier im vorarlberg museum ein Mittagskonzert, das seinem Namen gerecht wurde. Nicht die große Geste stand im Mittelpunkt, vielmehr die Idee, mit Liedern, Melodien und Tänzen unterschiedliche kulturelle Räume miteinander zu verbinden. So entstand ein Programm, das von Johannes Brahms über Manuel de Falla und Antonín Dvořák bis zu Pietro Mascagni, Robert Stolz und Rudolf Sieczyński führte und überraschende Nachbarschaften hörbar machte.
Den Auftakt bildeten sechs Stücke aus Brahms’ „Zigeunerliedern“ op. 103. Schon diese Auswahl setzte den Ton für den weiteren Verlauf, denn Brahms verbindet hier volksmusikalische Anklänge mit kunstvoller kompositorischer Verdichtung. Auf die ungarisch gefärbte Welt folgte mit Manuel de Fallas „El paño moruno“ aus den „Siete canciones populares españolas“ ein temperamentvoller Wechsel nach Spanien. Ein arabisches Lied, „Wa habibi“, und das jiddische „Hobn mir a nigendl“ weiteten den Horizont und machten deutlich, dass das Konzert weniger geografische Grenzen zog, als vielmehr musikalische Verwandtschaften suchte.
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Besonders reizvoll war die Entscheidung, zwischen den vokalen Beiträgen auch dem Klavier eigene Räume zu geben. Mendelssohn Bartholdys „Lied ohne Worte“ fügte sich dabei geradezu programmatisch ein. Wo die Stimme schwieg, sprach das Klavier weiter. Später setzte Luigi Tosis „La Valse Triste“ diesen Gedanken fort und gab Luca De Grazia Gelegenheit, das Instrument als eigenständigen Erzähler zu präsentieren.
Eleganz, Melancholie und Charme
Mit Bruno Wiederins „D’Brunälla“ erhielt zudem ein Vorarlberger Komponist seinen selbstverständlichen Platz in diesem internationalen Panorama. Antonín Dvořáks „Dejte klec jestřábu ze zlata ryzého“ aus den „Cigánské melodie“ führte den ersten Teil zu einem farbigen Abschluss.

Nach der Pause rückte das Programm stärker ins Opernhafte und Wienerische. Mascagnis Santuzza Arie „Voi lo sapete, o mamma“ aus „Cavalleria rusticana“ markierte dabei einen gewichtigen Kontrast zu den zuvor kammermusikalisch geprägten Liedern. Danach öffnete sich der Blick in Richtung Walzer und Operette. Robert Stolz’ „Mein Liebeslied muß ein Walzer sein“ und Rudolf Sieczyńskis „Wien, du Stadt meiner Träume“ ließen jene unverwechselbare Mischung aus Eleganz, Melancholie und Charme aufscheinen, die das Wiener Lied bis heute so unmittelbar wirken lässt.
Diese stilistische Offenheit machte den Reiz des Konzerts aus. Das Duo De Grazia stellte nicht die Unterschiede zwischen den musikalischen Traditionen aus, vielmehr ihre Verbindungslinien. Volkslied, Kunstlied, Opernarie, Klavierstück und Walzer standen gleichberechtigt nebeneinander und ergaben einen abwechslungsreichen Bogen, der für ein Mittagskonzert ideal bemessen war. „Lieder ohne Grenzen“ erwies sich damit als ebenso zugängliches wie sorgfältig gedachtes Programm, das mit Leichtigkeit durch Länder, Sprachen und Epochen führte und zeigte, wie selbstverständlich Musik Grenzen überschreiten kann.