Barock mit offenen Grenzen

Kultur / 12.08.2026 • 12:29 Uhr
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Das Trio Kronthaler brachte Barock, Jazz und Rock mit Fantasie und großer musikalischer Könnerschaft zusammen.BF / Anja Koehler

Das Trio Kronthaler verbindet im KUB Monteverdi, Purcell und Händel mit Jazz, Rock und Pop.

Bregenz Am Dienstagabend verwandelte das Trio Kronthaler das KUB in einen musikalischen Raum, in dem Jahrhunderte ineinandergriffen. Das Ensemble vereint die Mezzosopranistin Theresa Kronthaler, den finnischen Jazzgitarristen Kalle Kalima und den Bassisten Oliver Potratz, die sich zum Teil bereits während ihrer Studienzeit an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin kennenlernten. Aus ihrer gemeinsamen Faszination für Barock, Jazz und Pop entwickelte sich eine unverwechselbare Klangsprache, die sie 2015 erstmals auf ihrem bei Sony Classical erschienenen Debütalbum „The Living Loving Maid“ dokumentierten.

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Theresa Kronthaler, Kalle Kalima und Oliver Potratz ließen im Kunsthaus Bregenz musikalische Jahrhunderte überraschend selbstverständlich ineinanderfließen.BF / Anja Koehler

Bei den ersten beiden Stücken, Claudio Monteverdis „Dormo ancora“ und Henry Purcells „Night“, suchte das Trio noch nach der Balance zwischen Stimme, Gitarre und Bass, manches wirkte zunächst etwas tastend. Doch spätestens mit Georg Friedrich Händels „Johnny Grey“ fand das Konzert zu jener Intensität, die den weiteren Abend prägen sollte. Das von Essi Kalima neu betextete Stück ist einem Berliner Obdachlosen gewidmet. Theresa Kronthaler verlieh dieser Übertragung eine eindringliche, zugleich unaufdringliche Präsenz. Hier zeigte sich die besondere Qualität des Trios: Die historische Vorlage wird mit Respekt behandelt und zugleich in eine Gegenwart geführt, die rauer, offener und auch verstörender klingen darf.

Kraft und Glanz

Einen ersten großen Höhepunkt erreichte der Abend mit Chris Cornells „Black Hole Sun“. Das Arrangement begann beinahe beiläufig und steigerte sich furios, bis Kronthaler ihre ganze gesangliche Kunst entfalten konnte. Ihr Mezzosopran besitzt Kraft und Glanz, lässt sich aber ebenso ins Zarte und Brüchige zurücknehmen. Eingeflochten waren Textfragmente finnischer Krankenschwestern aus dem Zweiten Weltkrieg, die Kalle Kalima entdeckt hatte. Aus dem bekannten Rocksong entstand so eine eindringliche Collage aus Erinnerung, Verlust und musikalischer Gegenwart. Wie stark das Ensemble vom Zusammenspiel lebt, zeigte Henry Purcells „Weep“. Oliver Potratz eröffnete das Stück mit einem markanten Basssolo, aus dem sich die Musik langsam entwickelte. Potratz setzte präzise Akzente, während Kalima zwischen filigranen Klangflächen, jazziger Freiheit und rockiger Direktheit wechselte. In Purcells „Cold Song“ mündete diese Energie in eine wuchtige Version, die den barocken Gestus nicht glättete, sondern dessen Fremdheit noch stärker hervortreten ließ.

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Kronthaler überzeugte mit einer beweglichen Stimme, die zwischen Opernklang, Jazzphrase und rauerer Popfärbung wechseln kann, ohne dass einer dieser Bereiche aufgesetzt wirkt. In gesprochenen Passagen kamen ihre perfekten Italienischkenntnisse zur Geltung, was besonders den Monteverdi-Stücken sprachliche Eleganz verlieh.

Neue Zusammenhänge

Bemerkenswert blieb die stilistische Spannweite des Programms: Frescobaldi traf auf Rodgers und Hammerstein, Monteverdi auf die Smashing Pumpkins, Purcell auf Soundgarden. Dabei geriet der Abend nie zur bloßen Stilschau. Hinter den Bearbeitungen stand eine klare Haltung: Musikgeschichte erscheint hier nicht als abgeschlossene Vergangenheit, vielmehr als lebendiges Material, das sich befragen, verwandeln und in neue Zusammenhänge stellen lässt.

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BF / Anja Koehler

Zum Abschluss verabschiedete sich das Trio mit Stings „Walking on the Moon“ in einer sehr persönlichen, ruhigen und zarten Version. Nach der zuvor eruptiven Kraft wirkte diese Zurücknahme besonders stark. Als Zugabe folgte Claudio Monteverdis „Si dolce è’l tormento“, schlicht, konzentriert und beinahe schwebend. Ein letzter Moment, der ohne Effekthascherei mitten ins Herz traf.