Leo Peschtas Dickicht

Kultur / 19.08.2026 • 13:12 Uhr
Cloud.jpg
Die Ausstellung in der Galerie Lisi Hämmerle läuft noch bis zum kommenden Samstag.Leo Peschta

In der Galerie Lisi Hämmerle steht eine Installation, die Natur nicht nachbaut, sondern übersetzt.

Bregenz Der 1978 in Wien geborene Künstler Leo Peschta lernte zunächst Fotografie und Grafikdesign, bevor er an der Wiener Angewandten Digitale Kunst studierte. 2007 schloss er sein Studium bei Ruth Schnell mit »Der Zermesser« ab, einem tetraederförmigen Roboter, der 2017 hier zu sehen war: eine Maschine, die den Raum langsam abtastet, ohne den Menschen nachzuahmen oder etwas zu produzieren. Seither baut Peschta Maschinen, die sich der Erwartung entziehen, Technik müsse nützlich sein.

»The Thicket« – Dickicht, Unterholz – ist der dritte Teil einer Reihe, die 2020 mit »The Sea« begann und 2023 mit »The Forest« fortgesetzt wurde. Sie besteht aus neun Einheiten mit je einem Sockel, einem Stamm und drei quadratischen, mit semitransparenter Folie bespannten Rahmen. Drei ineinanderliegende Wellen – vergleichbar den Achsen einer Uhr – bewegen die Flächen unabhängig voneinander; ein zentraler Computer koordiniert das Ganze zu einer Choreografie, die weder willkürlich noch starr wirkt. Auch der Klang wird in Echtzeit berechnet und reagiert auf Stellung und Bewegung der 27 Flächen. Kein Durchgang gleicht dem anderen.

Totholz aus dem Nationalpark

Die Arbeit lässt sich nicht durchqueren, nur umrunden. Die halbdurchlässigen Flächen öffnen und schließen Sichtachsen, geben den Blick auf den Raum und andere Besucher frei und versperren ihn im nächsten Moment. Zum Dickicht wird sie nicht, weil sie Pflanzen imitiert, sondern weil sie den Blick lenkt, behindert und wieder freigibt und dazu zwingt, den Standpunkt zu wechseln.

Erstmals zeigt Peschta auch Fotoarbeiten. Für die Serie “Clouds” hat er Totholz aus dem Nationalpark Donau-Auen mit einem handgeführten Scanner umkreist. Weil eine vollständige Erfassung nie gelingt, bleiben Lücken und ausgefranste Ränder. Die aus den Punktwolken berechneten Modelle dreht und beleuchtet er am Bildschirm: Fotografie ohne Sucher, gerichtet auf einen virtuellen Raum. Der Ursprung bleibt erkennbar, doch die Formen werden zu schwebenden, fremden Körpern.

Beides fragt, was geschieht, wenn Natur technisch erfasst wird. Die Lücken werden nicht verborgen – sie sind das Thema. Noch bis 22. August zu sehen.