Ein manischer “Faust”

Festivalauftakt in der Ruine von Carnuntum mit Dominique Horwitz als Alleindarsteller.
Carnuntum Ein Theater mitten in der Natur ist atmosphärisch, bringt aber Probleme mit sich. So musste der Auftakt zum Theaterfestival “Art Carnuntum” um einen Tag verschoben werden, weil die Unwetter auch durch das römische Amphitheater gezogen waren. Samstagabend startete das Festival dann trocken mit einer “Faust”-Inszenierung von Torsten Fischer.
Die Interpretation kam alles andere als trocken daher: Dominique Horwitz nimmt sich der alten Textpassagen als Alleindarsteller ausdrucksstark an. Mit flamboyanter Schminke, abstrusen Kostümen und überhöhter Gestik spielt der aus dem “Tatort” bekannte Schauspieler nicht nur die Titelfigur, sondern übernimmt auch Teile des Mephisto und stellt die Gretchenfrage.
Anfangs mag es befremdlich wirken, wenn er sperrige Goethe-Texte ganz nah am Publikum lauthals von sich gibt und sich mehr als einmal entkleidet. Doch dann arbeitet er auf rohe Art innere Konflikte heraus. Faust gibt sich wie im Delirium; mit geplagter Mimik und spöttischer Gestik bringt Horwitz die gepeinigte Psyche der Figuren ungewöhnlich, aber eindringlich zur Schau.
Sein Schauspiel funktioniert unabhängig vom Stoff, denn der Abend ist etwas konfus: ein Schnelldurchlauf des Dramas, der ohne Grundwissen kaum verständlich sein dürfte. Der von Wissensgier besessene Faust zeigt sich vom Leben enttäuscht und geht den Pakt mit dem Teufel ein, die geliebte Gretchen zahlt mit dem Leben. Horwitz springt von einem Monolog zum nächsten und wechselt unangekündigt die Figuren, während das Bühnenbild kaum Orientierung schafft. Es geht um die Performance.
Ein Schauspieler allein auf der Wiese
Das Stück ist auf Horwitz zugeschnitten, und der 69-Jährige trägt es auch. Unter freiem Himmel inmitten der Ruine blieb das Bühnenbild stark reduziert: War anfangs noch ein Stuhl auf der Wiese, wich auch dieser im zweiten Teil. Horwitz nutzte nicht nur die Nähe zum Publikum, sondern auch die Wiese bis zum Hügel hinter den Mauern.
Gelegentlich wurden Nebelmaschinen aktiviert, Bäume beleuchtet oder Requisiten gereicht, Musikeinspielungen und Geräusche hoben die Dynamik dezent hervor. Am Ende gab es viele Standing Ovations, auch wenn die Erzählung kurzzeitig für Fragezeichen gesorgt haben könnte.