Zwei Ausnahmemusiker begeistern mit großer Liedkunst

Kultur / 24.08.2026 • 16:00 Uhr
Zwei Ausnahmemusiker begeistern mit großer Liedkunst
Bariton Konstantin Krimmel und sein kongenialer Partner Ammiel Bushakevitz am Klavier sind mittlerweile eine fixe Größe im Programm der Schubertiade. Schubertiade

Konstantin Krimmel und Ammiel Bushakevitz brillieren bei der Schubertiade.

Bregenz Ein Abend wie geschaffen für die Schubertiade. Bariton Konstantin Krimmel und sein kongenialer Partner Ammiel Bushakevitz am Klavier sind mittlerweile eine fixe Größe im Programm der Schubertiade.

Im März dieses Jahres wurde Krimmel bei den Osterfestspielen Salzburg mit dem Herbert-von-Karajan-Preis für seine Darbietung von Joseph Haydns “Schöpfung” mit den Berliner Philharmonikern unter Daniel Harding ausgezeichnet. Über 30 Liederabende mit seinen Begleitern Ammiel Bushakevitz und Daniel Heide und sein Engagement an der Bayerischen Staatsoper – er sang heuer die Titelpartie in der Neuproduktion von “Don Giovanni” im Rahmen der Münchner Opernfestspiele sowie den “Papageno” in Mozarts “Zauberflöte” und “Dr. Falke” in der “Fledermaus” von Johann Strauss – lassen nicht nur seine Vielseitigkeit, sondern vor allem ein ungeheures Pensum erahnen, das Krimmel hier absolviert.

Zwei Ausnahmemusiker begeistern mit großer Liedkunst
Beide zeigten ihre Fähigkeiten auf höchstem Niveau. Schubertiade

Der Liederabend war nicht nur ein Glanzstück an Gesanges- und Klavierkunst, sondern vor allem ein Abend von unangestrengter Erzählkraft und Erzählkunst, eine dramatisch klug gebaute Reise durch Romantik, Natur, Liebesglück und Liebesschmerz bis hin zu einem der zentralen Liedzyklen der Romantik, Robert Schumanns Dichterliebe op. 48. Balladenhafte Erzählkunst, poetische Miniaturen, oft mit einem dramatischen Kern versehen, und vor allem psychologische Verdichtungen in dem Liederzyklus “Dichterliebe” von Schumann, der diese Komposition in “seinem Liederjahr” 1840 schrieb, in dem er über hundert Lieder schrieb, sind für die beiden Ausnahmemusiker wie geschaffen, ja geradezu ein Muss! Beide haben die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten auf höchstem Niveau zu zeigen, sei es das Wechseln der Stimmfarben bei Krimmel von erzählerisch grausam bis intim, so läuft Krimmel zur Bestform bei jenen Liedern auf, die eine dunklere Färbung in sich tragen, wie “Der Soldat” (Hans Christian Andersen) oder “Ich grolle nicht” (Heinrich Heine) von Schumann.

Ammiel Bushakevitz und Konstantin Krimmel
Für Ammiel Bushakevitz und Konstantin Krimmel gab es frenetischen Applaus. Thomas Schiretz

Krimmel hat sein Mienenspiel noch einmal perfektioniert. Auch in dem von bitterster Ironie und scharfem Sarkasmus geprägten Lied “Ein Jüngling liebt ein Mädchen”, das den ewigen Liebeskummer als eine fast schon komisch-banale Kettenreaktion entlarvt, fühlt sich Krimmel sichtlich wohl. Krimmel ist ein Meister des Ausleuchtens menschlicher Ambivalenzen, blitzschnell wechselt er Figuren und Stimmungen, ohne dabei gekünstelt zu wirken. Bushakevitz ist derzeit mit Sicherheit einer der wichtigsten Liedpianisten seiner Generation, sein Spiel ist zart und tief, farbig und klar zugleich, zurückgenommen und doch voller Intensität. In ihrem Timing sind die beiden unschlagbar – ein Zeichen höchster Liedkunst. “Und weil’s grad so schön ist”, so Krimmel, folgte als Zugabe “Myrthen und Rosen”, aus dem Liederkreis op. 24 von Schumann sowie Schuberts “Nacht und Träume”. Bleibt nur noch, mit Matthäus Casimir von Collin zu sagen: “Holde Träume, kehret wieder!” Frenetischer, lang anhaltender Applaus seitens des Publikums, das seine beiden Lieblinge verehrt. Thomas Schiretz

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