Warum es bei diesem Theaterfestival blaue Flecken gibt

Sieben Theatergruppen zeigen bei “Luaga & Losna” in Feldkirch Stücke über Freundschaft, Gefühle, Grenzen und das Erwachsenwerden.
Feldkirch Seit 38 Jahren ermöglicht das Theaterfestival “Luaga & Losna” spannende Einblicke in die internationale Kinder- und Jugendtheaterlandschaft. Der erste Teil der diesjährigen Ausgabe ging in Nenzing über die Bühne, vom 1. bis 5. September folgt nun der zweite Teil in Feldkirch. Auf dem Programm stehen unter anderem Puppen- und Figurentheater, eine interaktive Installation sowie zwei Live-Hörspiele zu Ingeborg Bachmann.

Dass dabei nicht nur die jüngsten Besucher auf ihre Kosten kommen, ist Agnes Mair aus dem Organisationsteam besonders wichtig. Die fantasievollen Produktionen seien bewusst so gewählt, dass sie Menschen unterschiedlichen Alters zusammenbringen. “Alle Generationen – nicht nur Kinder – können etwas aus den Stücken mitnehmen. Wir bringen eine große Vielfalt auf die Bühne.”

Sieben Theatergruppen aus Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich, Belgien und der Schweiz sind heuer bei “Luaga & Losna” zu Gast. Gerade dieser Blick über die Grenzen gehört für Mair zu den großen Stärken des Festivals. Die internationale Vielfalt schaffe ein Theatererlebnis, das möglichst viele junge Menschen erreicht. “Es ermöglicht allen Besuchern – unabhängig davon, ob sie Deutsch als Erstsprache haben – dasselbe Theatererlebnis”, erklärt sie. “Es ist uns wichtig, dass alle teilnehmen können.”

Dabei geht es nicht allein um die Unterhaltung. Die ausgewählten Produktionen greifen Themen auf, die Kinder und Jugendliche beschäftigen und ihnen Orientierung geben können. “Es geht unter anderem darum, wie man mit Aggressionen umgeht, wie man Grenzen setzt und was Grenzen überhaupt sind”, sagt Mair. Auch der Umgang mit den eigenen Gefühlen wird bei “Luaga & Losna” behandelt. “Die Stücke fragen danach, wie Kinder und Jugendliche Gefühle einordnen und mit ihnen umgehen können, greifen aber ebenso das Erwachsenwerden, Verlusterfahrungen und Trauer auf.” Die Kunst schaffe genügend Distanz, um sich auch schwierigen Fragen anzunähern – mitunter auch mit Humor. “Solche Themen sind in Familien oft tabuisiert. Das Theater kann ein erster Zugang sein.”

Wie das aussehen kann, zeigt etwa das Stück “Knockout – K. O.” des Teatrodistinto aus Italien. Elio und Francesco steigen darin in einen Boxring und messen sich Runde für Runde. Im Spiel finden sie neue, kreative Wege, ihre aggressiven Impulse und ihre starke Leidenschaft zu überwinden und in künstlerischen Ausdruck zu verwandeln.

Einen anderen Zugang wählt “Zerspringding und Repariertier” vom Theater Kunstdünger aus Deutschland. Auf einer fantasievollen Reise ins Ungewohnte begegnet das Publikum Sehnsüchten und Ängsten, dem Fremden und der Frage, was Vertrauen bedeutet.

“Die Muskeltiere” des Figurentheaters St. Gallen und der Theaterwerkstatt Gleis 5 wiederum erzählt von Freundschaft und davon, wie bereichernd es sein kann, Unterschiede zu überwinden und über den eigenen Schatten zu springen.

“Nett!” vom Ensemble Materialtheater aus Deutschland und Théâtre Octobre aus Brüssel erzählt eine turbulente Geschichte über Freundlichkeit und darüber, was sie im Miteinander bewirken kann.
Das Kollektiv “Wortart” bringt anlässlich des 100. Geburtstags von Ingeborg Bachmann eine Mischung aus Live-Hörspiel und szenischer Lesung auf die Bühne. Im Mittelpunkt stehen Bachmanns kritische Auseinandersetzung mit Kapitalismus und totalitären Regimen, patriarchalen Strukturen und stereotypen Geschlechterrollen – Themen, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben.

Gerade in Zeiten von Social Media und schnell konsumierten Inhalten sieht Agnes Mair eine besondere Bedeutung des Theaters. Während Videos und Filme am Handy meist für sich allein konsumiert werden, entstehe im Theater ein gemeinsames Erlebnis. “Dieses gemeinsame Erleben in einem Raum gewinnt immer mehr an Wert”, ist Mair überzeugt. Dazu gehöre auch, sich danach über das Gesehene auszutauschen. Gerade darin liegt für Mair eine besondere, gemeinschaftsstiftende Kraft des Theaters.
“Luaga und Losna” findet von 1. bis 5. September in Feldkirch an unterschiedlichen Spielstätten statt. Das Programm inklusive Publikumsgespräche gibt es unter luagalosna.at