Tractatus-Preis für deutsche Schriftstellerin

Kultur / 01.09.2026 • 09:57 Uhr
Tractatus-Preis für deutsche Schriftstellerin
Die Autorin setzte sich mit ihrem im März 2026 publizierten Werk gegen fünf weitere Nominierte durch. Anna Ziegler

Der mit 25.000 Euro dotierte Preis gilt als eine der renommiertesten Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum.

Lech Als Würdigung herausragender Publikationen auf dem immer wichtiger werdenden Feld geistiger Auseinandersetzungen und Standortbestimmungen wird alljährlich der Tractatus verliehen. Der Essaypreis des Philosophicum Lech, der mit 25.000 Euro dotiert ist, gilt als eine der renommiertesten Auszeichnungen auf diesem Gebiet im deutschsprachigen Raum. Die Prämierung mit dem Tractatus gibt Auskunft über höchste Qualität und Relevanz im Bereich der philosophisch-kulturwissenschaftlichen Essayistik.

In diesem Jahr erhält die Philosophin Maria-Sibylla Lotter den Tractatus-Preis, deren Buch “Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild” exemplarisch ausgezeichnet wird. “Präzis schärft Maria-Sibylla Lotter (…) unseren Blick für die Gefahren eines Menschenbildes, das nur noch Opfer und Täter kennt und keinen Raum für Ambivalenz und Selbstermächtigung lässt”, lautet ein Auszug aus der Jurybegründung. Das dreiköpfige Gremium – bestehend aus der Schweizer Philosophin Catherine Newmark, der österreichischen Literaturwissenschafterin Daniela Strigl und dem deutschen Literaturkritiker Ijoma Mangold – hielt weiter fest: “Wenn der aktuelle Diskurs durch eine moralische Aufwertung des Opfers und seiner dramatisierten Klage bestimmt ist, stellt sich die Frage nach den Folgen für das soziale Miteinander.” In ihrem Essay nähere sich Lotter diesem brisanten Problem mit kühlem Kopf und sachlichem Engagement.

Die in Kassel geborene Lotter lehrt seit 2014 als Professorin für Ethik und Ästhetik an der Ruhr-Universität Bochum. Sie setzte sich mit ihrem im März 2026 publizierten Werk gegen fünf weitere Nominierte durch, darunter auch der österreichische Schriftsteller Richard Schuberth (“Vom Antisemitismus, der keiner sein will”). Gelistet waren außerdem Andreas Dorschel, Philip Manow, Martin Warnke und Stefan Weidner. Lotter ist die 18. “Tractatus”-Preisträgerin, die zuletzt verliehenen Auszeichnungen gingen an Eva Weber-Guskar (2025), Philipp Hübl (2024), Isolde Charim (2023) und Marie Luise Knott (2022).

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Der Tractatus wurde 2009 auf Anregung des Schriftstellers Michael Köhlmeier, Mitbegründer des Philosophicum Lech, ins Leben gerufen und versteht sich als ein Beitrag zur Standortbestimmung in philosophisch und gesellschaftlich relevanten Diskursen. Durch die Auszeichnung soll der philosophischen Essayistik im Allgemeinen und dem prämierten Werk im Besonderen verstärkt Aufmerksamkeit verliehen sowie die erstrangige Leistung der Autorin bzw. des Autors gebührend gewürdigt werden. Von der gewichtigen Bedeutung als profunde kritische Zeitdiagnose und der beachtlichen thematischen Bandbreite brillanter philosophischer Essayistik zeugt die Liste der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger und ihrer Werke.

Tractatus-Preis für deutsche Schriftstellerin
“Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild” ist im Hanser Verlag erschienen. Hanser

Die feierliche Verleihung des Tractatus mit Laudatio und Dankesrede findet Freitag, den 25. September um 21 Uhr in den Lechwelten, dem Kultur- und Kongresshaus von Lech am Arlberg, statt. Die öffentliche Veranstaltung bei freiem Eintritt ist nur einer der Glanzpunkte im Rahmenprogramm des 29. Philosophicum Lech. Unter dem Titel “Betreutes Denken. Die neue Lust an der Unmündigkeit” lädt die Tagung vom 22. bis 27. September 2026 zur thematisch breit gefächerten transdisziplinären Erörterung und Diskussion drängender Fragen zu aktuellen Entwicklungen.