Große Ehre für eine stille Meisterin

Kultur / 21.09.2026 • 14:55 Uhr
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Eva Schmidt wird für eine Prosa ausgezeichnet, die „das Besondere im scheinbar Alltäglichen sichtbar“ mache.Klaudia Longo

Die Vorarlbergerin Eva Schmidt wird mit dem Österreichischen Kunstpreis 2026 geehrt.

Wien Sie zählt seit Jahrzehnten zu den stillen Größen der deutschsprachigen Literatur. Nun erhält Eva Schmidt den Österreichischen Kunstpreis. Die Jury würdigt die Bregenzer Autorin für eine Prosa, die „das Besondere im scheinbar Alltäglichen sichtbar“ mache.

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Eva Schmidt wurde 1952 in Lustenau geboren, wuchs in Höchst auf und lebt heute in Bregenz. Bereits 1984 trat sie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt auf. Ein Jahr später erschien ihr Debüt „Ein Vergleich mit dem Leben“. Es folgten die Erzählung „Reigen“ (1988) und 1997 der Roman „Zwischen der Zeit“. Für ihr Schreiben erhielt Schmidt unter anderem den Förderpreis zum Hermann-Hesse-Preis sowie den Nicolas-Born-Preis. Danach wurde es fast zwei Jahrzehnte still um sie als Buchautorin. Ganz verstummte Schmidt jedoch nie. Sie arbeitete weiter literarisch und gab unter anderem Schreibwerkstätten für Jugendliche. Erst 2016 kehrte sie mit einem neuen Roman auf die große literarische Bühne zurück. „Ein langes Jahr“ erzählt in 38 Episoden von Menschen in einer kleinen Stadt am Bodensee. Bregenz ist unverkennbar der Schauplatz, auch wenn der Name der Stadt im Buch nie fällt. Kritiker fühlten sich an Robert Altmans Episodenfilm „Short Cuts“ erinnert. Der Roman schaffte es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises und brachte Schmidt nach langer Abwesenheit wieder große überregionale Aufmerksamkeit.

Leise, präzise Prosa

2019 folgte „Die untalentierte Lügnerin“, die auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand. Im selben Jahr erschienen unter dem Titel „Sonne in einem leeren Zimmer“ Prosastücke, 2021 der Erzählband „Die Welt gegenüber“. 2025 veröffentlichte Schmidt den Roman „Neben Fremden“. Im Mittelpunkt steht die pensionierte Krankenpflegerin Rosa, die nach dem Tod eines Mannes, mit dem sie eine Beziehung geführt hatte, noch einmal versucht, aus ihrem gewohnten Leben auszubrechen. Große Gesten und kunstvoll konstruierte Plots sind Schmidts Sache nicht. Sie richtet den Blick auf jene unscheinbaren Momente, in denen ein Leben aus dem Gleichgewicht gerät. Ihre Figuren, häufig Frauen, wirken manchmal sperrig, verletzlich oder ihrer Umgebung entfremdet. Schmidt beobachtet sie mit großer Genauigkeit, aber ohne Sentimentalität und ohne ihnen vorschnell Erklärungen aufzuzwingen. Gerade darin liegt die Kraft ihrer Literatur. In wenigen Gesten, einem Blick oder einem beiläufigen Satz öffnen sich ganze Lebensgeschichten. Ihre leise, präzise Prosa wirkt damit wie ein Gegenentwurf zu einem Literaturbetrieb, der oft auf Aufmerksamkeit und öffentliche Inszenierung setzt. Das passt auch zur Autorin selbst, die wenig Interesse an Selbstdarstellung zeigt. Neben Prosa schreibt Eva Schmidt Hörspiele, übersetzt aus dem Italienischen und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fotografie. Mit dem Österreichischen Kunstpreis wird nun eine Autorin ausgezeichnet, die nie laut auftreten musste, um literarisch unverwechselbar zu sein.

Große Ehre für eine stille Meisterin
Lisa Mathis

Weitere Preisträger sind unter anderen Milica Tomić, Asli Kişlal, Kurdwin Ayub („Mond“, „Sonne“) sowie Michael Jarrell. Der Hans-Hollein-Kunstpreis für Architektur geht an das Kollektiv feld72.