Vier Perspektiven im Künstlerhaus

Kultur / 02.10.2026 • 12:05 Uhr
Vier Perspektiven im Künstlerhaus
Nach der Sommerpause präsentiert die Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler
Vorarlbergs im Künstlerhaus Bregenz vier Ausstellungen.VN

Klang, weibliche Lebensgeschichten und natürliche Kreisläufe im im Palais Thurn und Taxis.

bregenz Nach der Sommerpause meldet sich das Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis gleich mit vier Ausstellungen zurück. Filip Caranica befasst sich mit Klang und Identität, Sabine Morgenstern und Maribel Rico arbeiten mit Erinnerungen, Wilhelm Scheruebl folgt den Kreisläufen der Natur. Bianca Tschaikner widmet sich den Stimmen von Frauen im Hindukusch. Die Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs (BVKV) eröffnete die Schau am Freitagabend, sie läuft bis 15. November 2026.

Vier Perspektiven im Künstlerhaus
Mit „Hindukush Notebook: Das verbotene Land“ führt Bianca Tschaikner in eine geografisch
und emotional weit entfernte Welt.Bianca Tschaikner

Im Kellergeschoss zeigt Filip Caranica die Sound- und Videoinstallation „Heralds’ Waves“, in der drei Videos und eine Klanginstallation ineinandergreifen. Heroldstrompeten mit Bannern kreisen im Dunkel, wo sie sich berühren, blitzt Licht auf. Eine rhythmische Stimme setzt die Instrumente in Bewegung. In einer anderen Sequenz bringt eine Stimme eine Österreichkarte ins Schwingen, bis sie in sich zusammensackt, dazu kommen diffuse Stadiongesänge. Caranica wurde in Bukarest geboren, wuchs in einer migrantischen Familie auf und lebt heute in Berlin. Er studierte Klassische Komposition, Elektronische Musik und Klangkunst in Berlin und Paris. In seiner Arbeit untersucht er Klang als Verbindung zwischen Menschen und fragt nach Identität. Banner, Trompeten, Landkarten: Bei ihm werden Symbole zu Körpern, die sich verändern.

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Wilhelm Scheruebl widmet sich in „Die Sonne scheint“ den Strukturen und Prozessen des
Natürlichen.Wilhelm Scheruebl

Im Erdgeschoss begegnen einander die Vorarlberger Fotografin Sabine Morgenstern und die Bilivianerin Maribel Rico in „Verwoben“. Morgenstern versammelt Fotografien und Texte über Frauen, die ihre Herkunftsländer verlassen haben. Persönliche Gegenstände verweisen auf die Erinnerungen und Traditionen, die sie mit sich tragen. Rico setzt den Dialog mit Malerei, Stickerei, Weberei und Mode fort. Die Frau wird zum „Epizentrum“ vielfältiger Geschichten und kultureller Erfahrungen. Zwei mit Schneiderinnen entwickelte Kleidungsstücke ergänzen die Ausstellung.

Liebe, Krieg, Tod und Unterdrückung

Wilhelm Scheruebl richtet in „Die Sonne scheint“ den Blick auf Werden und Vergehen. Der in Radstadt lebende Bildhauer untersucht natürliche Prozesse zwischen Ordnung und Chaos. Ausgangspunkt ist das Licht und sein Wechsel von Hell und Dunkel. Die Pflanze steht für die Verwandlung: vom Keimling über Blüte und Samen bis zum vergehenden Material, aus dem neue Erde entsteht. Bildhauerische und installative Arbeiten machen den Kreislauf anschaulich. Die Bregenzer Künsterlin Bianca Tschaikner führt mit „Hindukush Notebook: Das verbotene Land“ in eine ferne Welt. Grundlage ist eine Recherchereise in den Hindukusch im Jahr 2022. Tschaikner beschäftigte sich dort mit Dappa, der geheimen Dichtung der Frauen. In den mündlich überlieferten Gedichten sprechen sie von Liebe, Krieg, Tod und Unterdrückung. Viele Verse werden nicht niedergeschrieben und drohen zu verschwinden. Tschaikner übersetzt die Reise in Landkarten, Malereien und Gedichtfragmente auf hauchdünnen Porzellanplatten. Manche sind beim Brand gesprungen oder verformt. Ihre Zerbrechlichkeit verweist auf die fragile Existenz der Frauen und auf eine Dichtung jenseits der männlich geprägten Überlieferung. Die Arbeiten sind im Dachgeschoss zu sehen.

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Der in Berlin lebende Künstler Filip Caranica bewegt sich in seiner Arbeit zwischen Bild und
Klang.Filip Caranica

Am Samstag, 3. Oktober, beteiligt sich das Künstlerhaus von 18 bis 24 Uhr an der ORF-Langen Nacht der Museen. Die Künstlerinnen und Künstler führen durch ihre Arbeiten. Um 19 Uhr berichtet Bianca Tschaikner von den Dappa-Dichterinnen im Hindukusch. Um 20.30 Uhr spielen Yenisey Rodriguez und Marta Duarte d’Almeida im Rahmen von „Verwoben“. Die regulären Öffnungszeiten sind von Mittwoch bis Samstag, 14 bis 18 Uhr und an Sonn- und Feiertage, 11 bis 17 Uhr.