Fäden, Fraktale und ein fehlender Finger

Werner Marxx Bosch, Miriam Boztepe-Rhomberg und Tuncay Boztepe in der Galerie Villa Marxx.
Lustenau Kennengelernt haben sie sich in den 1980er-Jahren beim Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Rund vierzig Jahre später stellen Werner Marxx Bosch, Miriam Boztepe-Rhomberg und Tuncay Boztepe nun erstmals gemeinsam aus. Die Schau in der Lustenauer Galerie Villa Marxx sucht nach Schnittpunkten in drei sehr unterschiedlichen Werken.

Die 1964 in Lustenau geborene Miriam Boztepe-Rhomberg, die heute in Wien und Bezau lebt, ist vor allem für ihre textilen Arbeiten bekannt. Sie färbt Baumwollstoffe selbst, hält die Farbigkeit zurück und setzt auf gerade Linien und Übergänge. Applikationen aus Seide, Leinen oder Baumwolle näht sie bewusst von Hand: Die Unregelmäßigkeiten brechen die geometrische Strenge auf und geben den Arbeiten etwas Organisches.

Dazu kommen Stickereien mit Motiven aus ihrem persönlichen Umfeld, Landschaftsausschnitte etwa oder Buchstaben, die an Monogramme erinnern. Es sind Erinnerungsräume, in denen Heimatliches in Stoff und Faden übersetzt wird.

Tuncay Boztepe, Jahrgang 1960, stammt aus dem türkischen Akyazı. Er geht von Selbstporträts aus, allerdings von indirekten. Er fotografiert seinen Schatten auf Wasseroberflächen und bearbeitet die Aufnahmen am Computer. Dann druckt er sie auf Transparentfolie und legt Transparentpapier mit figurativen Zeichnungen darüber. In den so geschichteten Bildobjekten scheinen sich feine Linien, wie der Künstler sagt, im Zustand des Auflösens oder Entstehens zu befinden. Gegenübergestellt sind Gemälde aus den 1990er-Jahren mit ornamentalen, aus der Natur abgeleiteten Ordnungen. Im Vergleich zeigt sich, wie stark das Zeichnerische an Gewicht gewonnen hat.

Werner Marxx Bosch arbeitet zunehmend mit dem 3D-Drucker und zitiert dabei gern die Kunstgeschichte. Sein Multiple „E.V.O.L.“ etwa ist eine Hand ohne Mittelfinger. Damit kehrt er Maurizio Cattelans Marmorskulptur „L.O.V.E.“ vor der Mailänder Börse um, im Titel wie in der Geste: Bei Cattelan ist ausgerechnet nur der Mittelfinger stehen geblieben. Ganz anders seine digitale Malerei. Aus algorithmisch erzeugten Fraktalen entwickelt er gegenstandslose Farbräume, in denen es nur ums Sehen gehen soll. Die Bilder sollen, so der Künstler, von allen symbolischen, politischen oder literarischen Inhalten befreit sein.
