Zeichen zwischen Anfang und Unendlichkeit

Kultur / 09.10.2026 • 15:50 Uhr
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Die Ausstellung „0_XYZ_I” dauert bis zum 9. Jänner 2027.Gerold Tagwerker

Gerold Tagwerker und der Jesuit Christian Marte bringen Kunst und Theologie ins Gespräch.

Feldkirch Fünf Zeichen, fünf Formen und ein weiter Raum für Deutungen: Die Ziffern und Buchstaben im Titel „0_XYZ_I“ führen vom Nichts zum Ich, vom Anfang zum Ende und darüber hinaus. Der Feldkircher Künstler Gerold Tagwerker beschäftigt sich seit Jahren mit ihrer geometrischen und zeichenhaften Bedeutung. Für das Palais Liechtenstein hat er gemeinsam mit dem Theologen Christian Marte SJ aus Objekten und Entwürfen seiner Werkreihe ein Ensemble entwickelt, das Kunst und Wissenschaft ins Gespräch bringt. Die „0“ ist eine Zahl ohne Zähl- und Stellenwert. Als Null bezeichnet sie das Nichts, kann aber ebenso für einen Anfang stehen. Ihre geschlossene Rundung lässt an Wiederkehr und Ganzheit denken, aber auch an eine Leere, die noch alles offenlässt. Am anderen Ende steht das „I“: eine einfache senkrechte Linie, die sich als Zahl Eins lesen lässt und im Englischen zugleich „Ich“ bedeutet. Dazwischen liegen X, Y und Z, die letzten Buchstaben des Alphabets. Sie markieren ein Ende und öffnen doch den Blick auf das Unbekannte und Unendliche. Tagwerker nimmt die Formen als Ausgangspunkt für Objekte aus Stahl, Glas und Holz, für Licht, Projektionen und Spiegel. Die Materialien tragen die Zeichen in den Raum und verändern ihre Wahrnehmung. Aus Buchstaben werden plastische Formen, aus einer Folge von Zeichen ein Weg durch die Räume des Palais. Der Parcours erzählt von Anfang und Ende, von Nichts und Ich, ohne die Zeichen auf eine einzige Lesart festzulegen.

Kunst & Wissenschaft im Dialog

Im Dialog mit Marte treten die Fragen hinter den Formen hervor. Was bedeutet es, bei null anzufangen? Wo liegt ein Ende, wenn auf ein abgeschlossenes Alphabet neue Gedanken folgen? Die Ausstellung lädt dazu ein, solche Fragen nicht nur begrifflich zu verhandeln, sondern im Raum zu erleben. Licht und Spiegelung, Material und Maßstab machen sichtbar, dass Zeichen mehr sein können als eindeutige Verweise: Sie sammeln Bedeutungen und bleiben offen.
„0_XYZ_I“ ist Teil des Formats „Kunst & Wissenschaft im Dialog“. Paare aus Kunst und Wissenschaft entwickeln dafür gemeinsam Ausstellungen zu Themen, die sie beschäftigen. Die Zusammenarbeit von Tagwerker und Marte verbindet die bildnerische Untersuchung elementarer Formen mit einer theologischen Perspektive auf Anfang, Identität und Unendlichkeit. Im Mittelpunkt steht die Begegnung zweier Denkweisen.

Gerold Tagwerker, 1965 in Feldkirch geboren, studierte Grafik am Mozarteum Salzburg und lebt und arbeitet als Künstler und Gestalter in Wien und Feldkirch. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel und Doppelausstellungen gezeigt, unter anderem im Kunstmuseum Appenzell, im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt, in der Galerie Stadtpark in Krems, der Galerie der Stadt Wels sowie in der Neuen Galerie Graz. Christian Marte, Jahrgang 1964, trat 1999 in den Jesuitenorden ein und studierte Philosophie und Theologie. Von 2018 bis 2025 war er Rektor des Jesuitenkollegs Innsbruck. Seit 2024 ist er Mitglied des Provinzkonsults und seit 2025 Superior der Jesuitenkommunität Wien.

„0_XYZ_I“ ist bei freiem Eintritt bis 9. Jänner 2027 im Palais Liechtenstein zu sehen.