Farbe, die den Blick festhält

Eine Hommage im Quadrart Dornbirn zeigt die Malerei des 2025 verstorbenen Thomas Hoor.
Dornbirn Mehr als 35 Jahre lang widmete sich Thomas Hoor der Malerei und Zeichnung. Die Ausstellung „Elch trifft Sophie Marceau“ im Quadrart Dornbirn richtet den Blick auf einen Teil dieses Schaffens: Sie versammelt ausschließlich Gemälde des 2025 verstorbenen Künstlers. Sein umfangreiches zeichnerisches Werk bleibt bewusst ausgeklammert. Zu sehen sind Arbeiten aus rund drei Jahrzehnten, die private Sammler für die Hommage zusammengetragen haben. Hoor entwickelte eine Bildsprache, in der Farbe nicht bloß ein Mittel zum Darstellen ist. In seiner Nass-in-Nass-Technik setzte er Ölfarbe meist in kräftigen, pastosen Schichten auf die Leinwand. Die Oberfläche wirkt dadurch beinahe körperlich. Erhebungen, Spuren des Pinsels und wechselnde Lichtreflexe treten hervor; je nach Blickwinkel verändert sich der Eindruck.

Auch thematisch ließ sich Hoor nicht auf eine einzige Linie festlegen. Tiere, Schauspieler, politische Statements und Frauenakte bildeten eigenständige Werkgruppen, an denen er parallel arbeitete. Gefällige oder dekorative Motive interessierten ihn wenig. Seine Bilder sollten Fragen stellen, Gefühle auslösen und persönliche wie gesellschaftliche Erfahrungen sichtbar machen. Charakteristisch sind ungewöhnliche Ausschnitte und die Konzentration auf wenige Details. Hoor lenkt den Blick, lässt zugleich aber vieles offen. Seine Gemälde erzählen keine eindeutig festgelegten Geschichten. Sie wirken eher wie Augenblicke, die Erinnerungen und Assoziationen in Gang setzen. Realität und Vorstellung liegen oft nah beieinander. Was ein Bild bedeutet, erschließt sich deshalb nicht unbedingt beim ersten Hinsehen.
Künstlerisches Vermächtnis
Die emotionale Spannweite reicht von Sehnsucht, Einsamkeit und Verletzlichkeit bis zu Humor, Leichtigkeit und Zuversicht. Gerade diese Gegensätze verleihen den Arbeiten ihre Unmittelbarkeit. In einer Umgebung, in der Bilder oft nur flüchtig wahrgenommen werden, kann Hoors Malerei den Blick verlangsamen und Raum für eigene Deutungen schaffen. Über Jahrzehnte entwickelte der Künstler eine eigenständige Position, die sich gängigen Trends entzog. Handwerkliche Sicherheit, die sinnliche Präsenz des Materials und emotionale Tiefe verbinden sich in Werken, die nicht abgeschlossen wirken. Die Initiative zur Ausstellung ging von den Kunstsammlern Markus Grabher, Karl Heinz Pichler, Rosmarie und Gernot Riedmann, Erhard Witzel und Albrecht Zauner aus. Sie wollen Hoors künstlerisches Vermächtnis einem größeren Publikum zugänglich machen und seine Bedeutung für die zeitgenössische Malerei in Vorarlberg sichtbar halten. Ein Katalog des Quadrart, 2017 anlässlich einer Einzelausstellung im Bildraum Bodensee erschienen, bildet einen Großteil der nun gezeigten Werke ab.
Die Ausstellung läuft bis 15. November. Bis 30. Oktober ist das Quadrart donnerstags und freitags von 16 bis 18 Uhr geöffnet; danach sind Besuche bis 14. November nach telefonischer Vereinbarung möglich. Zur Finissage am Sonntag, 15. November, um 11 Uhr spricht Karlheinz Pichler über „Schräge Geschichten aus der Kunstszene“.