Geronnene Zeit aus der Tube

Kultur / 13.10.2026 • 14:58 Uhr
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Die Ausstellung von Marco Spitzar dauert noch bis zum 7. November.Galerie Z.

Marco Spitzar stellt “Zwischen den Welten, im Frieden, wo wir nicht stehen” in der Galerie.Z aus.

hard Es gibt Künstler, die ihr Material wechseln wie andere die Jahreszeiten. Marco Spitzar gehört nicht dazu. Seit Jahren arbeitet er sich an einem Stoff ab, den man aus jeder Küchenlade kennt: handelsüblichem Klebstoff der Marke Uhu. Was zunächst nach einer Marotte klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als erstaunlich konsequente Materialforschung. Wie weit sie inzwischen reicht, ist bis 7. November in der Galerie.Z in Hard zu sehen, wo Spitzar bereits zum vierten Mal ausstellt.

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“Zwischen den Welten, im Frieden, wo wir nicht stehen.”Galerie Z.

Die gemeinsame Geschichte lässt sich an den Titeln ablesen: 2013 „Eine Frage der Größe“, 2018 „Haushaltsware Braun“, 2022 „The conditions of time“. Die aktuelle Schau trägt den sperrigen, beinahe lyrischen Titel „Zwischen den Welten, im Frieden, wo wir nicht stehen“ und deutet damit an, dass es um mehr geht als um Experimente mit einer klebrigen Flüssigkeit.

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Galerie Z.

Spitzar bewegt sich als Konzeptkünstler sicher zwischen Zeichnung, Objekt und Skulptur, und ebenso weit ist sein thematisches Feld gespannt. Zeitgeschichtliche Beobachtungen haben darin Platz, Erinnerungen aus der eigenen Biografie, Alltägliches und schließlich die großen Fragen nach der Verfasstheit der Welt. Die Mittel bleiben dabei bemerkenswert sparsam. „Ich brauche nur ganz wenig Elemente und Materialien, um zu neuen Bilderfahrungen zu kommen“, sagt der Künstler. Hinter dieser bescheidenen Formel steckt allerdings ein langwieriger Prozess des geduldigen Ausprobierens.

„We are all born glued“

Spitzar gesteht dem Kleber eine kontrollierte Eigenständigkeit zu. Er bestimmt Menge und Ort, den Rest besorgen Schwerkraft und Zeit. So entstehen zähe Schlieren, die über das Blatt rinnen, oder kleine Kuppeln, unter denen sich Luftbläschen sammeln. Seine „Glue Nuggets“, 2022 in Hard zu sehen, nannte Peter Niedermair „Uhuereignisse der ersten Stunde“.

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Galerie Z.

Die Leidenschaft für das Material verbindet Spitzar mit seinem Lehrer Bruno Gironcoli, in dessen Meisterklasse für Bildhauerei an der Wiener Akademie der bildenden Künste er studiert hat. Doch während Gironcoli überzeugt war, das Material an sich reiche völlig aus, lädt sein Schüler den Klebstoff mit zusätzlicher Bedeutung auf. Wenn die Masse eine Zeichnung mit einer zweiten Haut überzieht oder ein Objekt umschließt, verändert sie sich stetig, bis sie schließlich ermüdet und erstarrt. Was am Ende sichtbar bleibt, ist geronnene Zeit.

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Galerie Z.

Damit wird der Kleber zum Konservierungsmittel für Eindrücke und Erinnerungen, und der Blick wandert über das Abgebildete hinaus zu Fragen nach Vergänglichkeit, Verlust und Verbundenheit. „We are all born glued“ lautet Spitzars Leitspruch, und man darf ihn durchaus zuversichtlich lesen: Uhu als Bindemittel einer Gesellschaft, die Orientierung sucht und Verbindendes nötiger hat denn je.

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Galerie Z.

Dass der Künstler überhaupt in Vorarlberg gelandet ist, verdankt sich der heimischen Textilindustrie. 1964 in Norddeutschland geboren, kam Spitzar in den 1970er-Jahren mit seinen Eltern nach Bludenz, weil der Vater bei Getzner Textil einen neuen Lebensmittelpunkt fand. Nach der Kunstgewerbeschule in Graz folgte das Studium in Wien.

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Galerie Z.