Ein Geschenk für St. Josef

Der Dornbirner Maler Gerhard Winkler übersetzt das Vaterunser in sieben Hinterglasbilder.
Dornbirn Es ist das Gebet, das Christen über alle Konfessions- und Ländergrenzen hinweg verbindet: Das Vaterunser lernen schon Kinder auswendig, und viele Hochbetagte sprechen es noch fehlerfrei mit. Vielleicht liegt seine Kraft darin, dass es die Grundsehnsüchte des Menschen vor Gott bringt: nach Frieden und Gerechtigkeit, nach Vergebung und täglichem Brot. Und es ist kein „Vatermein“, sondern ein bewusstes „Vaterunser“ – ein Gebet, das den Einzelnen an die Gemeinschaft und an die Verantwortung füreinander erinnert.

Aus diesen Gedanken heraus hat der Dornbirner Maler Gerhard Winkler sieben gerahmte Hinterglasbilder geschaffen, die nun in der rückwärtigen Kapelle der Josefskirche hängen. Der Zyklus versucht, die Bitten des Gebets in eine Bildsprache zu übersetzen, die zur Meditation einlädt. Zwei Motive tragen ihn: Spiralen, die ins Geheimnis Gottes hineinführen und Innen und Außen, Himmel und Erde, Vater und Kinder miteinander verbinden, das Beten als tastende Annäherung an das göttliche Du. Und menschliche Hände, die bitten, sich zur Versöhnung ausstrecken und sich öffnen, um zu empfangen. Über dem ganzen Zyklus liegt eine heitere, zutiefst christliche Hoffnung. Als Dekoration will Winkler die Bilder ausdrücklich nicht verstanden wissen, sondern als Aufforderung: zu beten und zu vertrauen. Am kommenden Sonntag findet im Anschluss an die 9.30 Uhr Messfeier in der St. Josefskirche in Rankweil die Präsentation des Vaterunser-Zyklus statt.
Umgekehrte Reihenfolge
Die gewählte Technik verstärkt die Wirkung. Bei der Hinterglasmalerei wird die Rückseite einer Scheibe bemalt, und zwar in umgekehrter Reihenfolge: zuerst Konturen und Details, dann die Farbflächen, zuletzt der Hintergrund. Durch das Glas betrachtet leuchten die Farben besonders klar, zugleich schützt die Scheibe die Malschicht.

Der 1939 in Wien geborene Akademische Maler lebt und arbeitet seit 1963 in Dornbirn. Religiöse Themen nehmen in seinem Werk breiten Raum ein, von Engelsdarstellungen bis zu biblischen Motiven. Auch die Fastentücher im Studieninternat Marianum in Bregenz, in Dornbirn-Haselstauden und in der Pfarrkirche Lauterach stammen von ihm. Winkler gilt als Suchender, der die Wunden der Welt nicht ausspart und doch schimmert in seinen Arbeiten stets die Hoffnung durch.